50 Jahre Mauerbau : Berlin schweigt für die Opfer der Mauer

12.08.2011 14:30 UhrVon Christoph Spangenberg
  • Am 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer. Die DDR-Regierung wollte so die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland sichern und DDR-Bürger daran hindern, in den Westen... - Foto: dpa
  • Die Grenze war zwar bis zum 13. August noch offen, doch ein Wechsel von Ost nach West und umgekehrt war nicht ohne Weiteres möglich. - Foto: dpa
  • Es gab Kontrollen an den Sektorengrenzen wie hier an der Friedrichstraße, Ecke Zimmerstraße im Jahr 1960. - Foto: ullstein bild - dpa

50 Jahre nach der Teilung gedenkt die Stadt dem Mauerbau mit einer Schweigeminute. Auch Wowereit fordert zum stillen Erinnern auf.

Berlin soll den Opfern der Teilung am 50. Jahrestag des Mauerbaus mit einer Minute des stillen Gedenkens die Ehre erweisen. Dazu hat am Donnerstag auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) aufgerufen. Um 12 Uhr soll die Stadt für einen Moment innehalten, nur die Glocken der Kirchen sollen läuten, um an die 136 Todesopfer der Teilung zu erinnern. „Mit der Schweigeminute kann man ein Zeichen setzen für Demokratie und Freiheit und der Opfer der Diktatur gedenken“, sagte Wowereit. „Gerade in einer Zeit, in der die ostdeutsche Diktatur von manchen verharmlost wird, muss ein Zeichen gegen Verdrängen und Vergessen gesetzt werden.

“ Die DDR sei ein Unrechtsstaat gewesen.

In Potsdam riefen Landtagspräsident Gunter Fritsch und Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) dazu auf, sich zu beteiligen. Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung an der Bernauer Straße wollen auch Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagspräsident Norbert Lammert und Kanzlerin Angela Merkel (alle CDU) für die Opfer innehalten. Unterstützung kommt auch von Renate Künast (Grüne): „Die Opfer des Mauerbaus mahnen uns, jeden Angriff auf unsere Freiheit und auf die Menschenrechte abzuwehren.“

Die Schweigeminute ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung Gedenkstätte Berliner Mauer und des Tagesspiegels unter dem Motto „Berlin steht still“. Angeknüpft wird damit an ein historisches Vorbild: Am Tag nach dem Mauerbau, damals ein Sonntag, hatten die West-Berliner Gewerkschaften zu einer Arbeitsruhe von 14 bis 14.15 Uhr aufgerufen. Im Jahr darauf, am 13. August 1962, war es dann der Senat, der zu einer dreiminütigen Verkehrs- und Arbeitsruhe aufgefordert hatte. An der Bernauer Straße kam es zu Steinwürfen, Sprechchören und Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Die Schweigeminute am Sonnabend unterstützen Politiker, Prominente und Unternehmen. S-Bahn und BVG wollen Bahnen und Busse halten lassen, in der Reichstagskuppel soll geschwiegen werden, die Berliner Bäderbetriebe wollen die Gäste per Durchsage zum stillen Gedenken auffordern. Wer die Schweigeminute in Gemeinschaft erleben möchte, kann dies in der Bernauer Straße tun. Auch am Checkpoint Charlie soll Ruhe einkehren, dazu will das Mauermuseum aufrufen. „Wir dürfen nie vergessen, was diese Grenze verursacht hat“, sagte deren Chefin Alexandra Hildebrandt. Wie viele andere Kirchen lädt die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zur Schweigeminute ein. „Die Mauer war ein tiefer Einschnitt. Auch 20 Jahre nach dem Fall ist es wichtig, zu gedenken“, sagte Pfarrer Martin Germer.

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