Berlin : 59-Jähriger vor Gericht, weil er zweimal dieselbe Bank überfiel

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Tja, Das Gedächtnis. Die ehemalige Kassiererin kann sich an das Gesicht des Bankräubers nicht mehr erinnern. "Da waren doch andauernd Überfälle", sagt sie und murmelt im Weggehen etwas von den guten Fluchtwegen, die den Bankräubern offenbar bekannt seien. Dienstagvormittag im Kriminalgericht Moabit: Es geht um die Berliner Bank in der Schnellerstraße am S-Bahnhof Schöneweide.

Der Angeklagte, auf den ersten Blick ein netter, älterer Herr mit durchaus nachdenklichem Gesichtsausdruck, hat die Filiale zweimal überfallen und er bestreitet das auch nicht. Am 27. Mai Mai 1994 um 12 Uhr richtete er einen Spielzeugrevolver auf die Kassiererin und sagte laut Anklageschrift: "Die Waffe ist geladen, große Scheine her, ich mache keinen Spaß, ich schieße." Darauf wanderten 21 415 Mark über den Banktresen. Beim zweiten Überfall am 7. Oktober 1999 um 13.20 Uhr schob er einen Zettel zur Kassiererin. Aufschrift: "Sofort Geld. Schieße!" Die "Waffe" unter seiner Jacke war sein ausgestreckter Zeigefinger. Er verließ die Bank mit 5000 Mark in der Tasche. Es waren keine Ausrutscher, so viel ist am Ende des ersten Verhandlungstages klar. Die Richter verlesen das Vorstrafenregister des aus der DDR stammenden Angeklagten.

Danach verhängte das Kreisgericht Luckenwalde 1984 eine Haftstrafe wegen Betruges gegen den heute 59-Jährigen. 1986 und 1988 folgten weitere Gefängnisstrafen des Kreisgerichts Schönebeck wegen Betrugs. Es war stets dieselbe Masche: Der Angeklagte ließ sich von Bekannten Geld geben, das er angeblich in DM tauschen wollte. Hatte er das Geld, verschwand er einfach. Mit Wende und Mauerfall änderte er sein Vorgehen und verlegte sich auf Banküberfälle. Bereits 1991 verurteilte ihn das Berliner Landgericht wegen räuberischer Erpressung zu viereinhalb Jahren Haft. Aus dem Jahr 1997 datiert ein weiterer Spruch einer Moabiter Strafkammer: Vier Jahre Gefängnis wegen schwerer räuberischer Erpressung. Als Freigänger nutzte er seine Bewegungsfreiheit, um weitere Überfälle zu begehen. Nun droht ihm eine lange Sicherungsverwahrung. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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