70 Jahre Feuerzangenbowle : Ein paar Bonbons von Heinz Rühmann

Vor 70 Jahren feierte „Die Feuerzangenbowle“ Premiere in Berlin - das musste gleich noch mal gefeiert werden: im Filmkunst 66. Und ein ganz besonderer Gast war auch da.

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Sing mal wieder. Horst Krause ist in der „Feuerzangenbowle“ zu hören.
Sing mal wieder. Horst Krause ist in der „Feuerzangenbowle“ zu hören.Foto: privat

Die Wirkung der alkoholischen Gärung ist an Heidelbeerwein zu studieren, doch mit Feuerzangenbowle gelingt das noch besser. Aber so tief ins Glas geguckt, dass es zugegangen wäre wie bei der berühmten Heidelbeerwein-Szene der „Feuerzangenbowle“, hatte am Dienstagabend im Filmkunst 66 bei der Vorführung des Films zum 70. Jahrestag der Premiere keiner. Horst Krause, mit seiner Frau Margaretha – neben Rühmann-Sohn Heinz-Peter Ehrengast – sowieso nicht. Er trieb schon am nächsten Vormittag wieder fleißig Sport, wie man es vom ersten Vorsitzenden der Boxabteilung von Tennis Borussia ja erwarten kann. Diese seit 36 Jahren ausgeübte Funktion war aber nicht der Grund für die Einladung an den 82-Jährigen durch Filmproduzent Hanns Eckelkamp, Inhaber der Rechte am Film.

Horst besuchte die Volksschule in der Sophie-Charlotten-Straße

Nein, Krause war an den Dreharbeiten beteiligt, ist im Film zwar nicht zu sehen, aber zu hören, als Mitglied des Chors im Hintergrund, während sich Gymnasialprofessor Bömmel (Paul Henckels) und Dr. Brett (Lutz Götz) über Disziplin und Erziehung unterhalten. Der kleine Horst, zwölf Jahre alt, besuchte damals die später ausgebombte Volksschule in der Sophie-Charlotten-Straße, nahe Kaiserdamm. Während des Unterrichts, so erinnert er sich, sei die Leiterin eines damals bekannten Berliner Mädchenchors erschienen, wollte ein paar Jungen hören, wählte dann sechs aus, darunter auch Horst – „für einen Film“, wie es hieß, als Verstärkung ihres Chors. Tags darauf fuhr die Rasselbande mit der S-Bahn zum heutigen Bahnhof Griebnitzsee, stiefelte von dort den kurzen Weg zum Babelsberger Studiogelände, mit einem Zettel ausgestattet für den Pförtner. Zunächst sangen sie „Freiheit, die ich meine“, was nicht recht ankam. Dann ließ man den Chor „Im schönsten Wiesengrunde“ trällern, das gefiel. Heinz Rühmann bekamen die Kinder nicht zu Gesicht, doch den Film hat Krause wohl gleich 1944 zum ersten Mal gesehen.

Nach der Aufnahme ging es mit der S-Bahn zurück. Besonders die Mädchen hatten sich mittlerweile so warmgesungen, dass sie gar nicht mehr aufhören wollten und ihr rasch sich füllendes Abteil prima unterhielten. Die Fahrkarte hatte sich Horst Krause von den 2,50 Mark Honorar selbst kaufen müssen, weiß er noch. Der Rest reichte gerade für ein Tütchen Bonbons, erworben auf dem Bahnhof Westkreuz.

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