Berlin : 750 000 Euro für die Gedächtniskirche

Unternehmer Hans Wall spendet für die Sanierung des Wahrzeichens – und auch für den Märchenbrunnen

Helmut Caspar

Schon seit Jahren kümmert sich der Stadtmöblierer Hans Wall, dessen Unternehmen überall in der Stadt mit Toiletten- und Wartehäuschen sowie Litfaßsäulen und Plakataufstellern präsent ist, auch um desolate Zeugnisse der Bau- und Kunstgeschichte. Nun kommt die Kaiser- Wilhelm-Gedächtniskirche in den Genuss einer gehörigen Spende: 750 000 Euro stellt die Wall AG am heutigen Donnerstag für die Sanierung der Kirchturmruine am Breitscheidplatz und der Betonwabenfassaden des Neubaus von Egon Eiermann zur Verfügung. Aufbringen will das Unternehmen einen Teil der Summe durch Vermietung einer Plakatfläche am Neubau an Werbekunden. Das Mobilfunkunternehmen O2 hat hierfür schon gezahlt, weitere Kunden werden noch gesucht. „Die Gedächtniskirche gehört zu den herausragenden architektonischen Wahrzeichen Berlins und ist in aller Welt bekannt“, sagt Hans Wall. „Durch Anbringung von Werbeflächen schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen wird die längst fällige Sanierung finanziert, worüber sich die Kirchengemeinde freut, die dies aus eigenen Mitteln niemals schaffen würde. Und außerdem bieten wir Werbetreibenden einen tollen Standort für ihre Kampagnen, wodurch wir einen Teil unserer Aufwendungen refinanzieren können“, sagt Wall, der auch dem Verein „Denk mal an Berlin!“ vorsteht.

Und so geht Walls Engagement auch weit über die Gedächtniskirche hinaus. Auch für den Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain will er Geld geben. Für ihn ist der Brunnen „eines der schönsten Kunstdenkmäler Berlins“. 1,3 Millionen Euro betragen die Kosten für die Reinigung und Restaurierung der gut 90 Jahre alten Anlage, die immer wieder von Sprayern besudelt wird. Dafür sind Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe Ost beantragt. Die wertvollen Märchenfiguren, denen vor einiger Zeit Köpfe und Arme abgeschlagen wurden, warten in einer Steinrestaurierungswerkstatt bereits auf ihre Rückkehr. Hans Wall erwartet einen positiven Bescheid vom Wirtschaftssenator. Zurzeit wird an einem Sicherheitskonzept für die Anlage gearbeitet. Es soll Vandalismus unterbinden und könnte aus einer Kombination von nächtlicher Beleuchtung, Einzäunung, Videoüberwachung und Polizeischutz bestehen. „Ich bin überzeugt, dass ein gut gepflegtes, sauber gehaltenes Gesamtkunstwerk wie der Märchenbrunnen die Zerstörungswut eindämmt, die wir auch hier leider immer wieder erleben müssen“, sagt Wall.

Noch ist nicht entschieden, wie hoch die Fördermittel am Ende ausfallen werden. „Zur Not bezahlen wir auch einen Teil der Ausgaben für die Sanierung“, verspricht Wall – der auf jeden Fall die Folgekosten für den Unterhalt des Märchenbrunnens übernehmen will. Er habe in seinem langen Berufsleben so viel Glück gehabt und fühle sich in Berlin so wohl, dass er gern etwas von dem zurückgeben möchte, was er hier verdient hat, begründet er sein Mäzenatentum.

Schließlich will sich Hans Wall auch der Bronzefiguren des Neptunbrunnens gegenüber dem Roten Rathaus annehmen. Zwar war das Brunnenbecken vor einigen Jahren saniert worden, um das unkontrollierte Ablaufen des Wassers zu stoppen. Doch zur Reinigung und Restaurierung der wertvollen Metallplastiken konnte man sich aber nicht entschließen. Überall sind schwarze, grüne und braune Schmutzkrusten sichtbar. Wie es um das innere Stützsystem der von Reinhold Begas modellierten Figurengruppe bestellt ist und ob die Wasserleitungen noch einwandfrei funktionieren, müsste untersucht werden. Doch das Landesdenkmalamt und der Bezirk Mitte sehen zurzeit keinen Handlungsbedarf – obwohl schon vor Jahren von Restaurierungsbedarf an den Bronzeteilen die Rede war. Auch hier könnten Spenden von Wall wohl einiges bewirken.

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