Berlin : 86 Steinwürfe auf Autobahn: Prozess wegen Mordversuchs

Es ist der Albtraum für Autofahrer: Da steht jemand auf der Brücke und wirft mit Steinen. 86 Geschosse waren es, die an zwei Tagen im August und September 2010 auf die Autobahn in Tegel flogen. Zwei damals 16-Jährige waren aus Sicht der Ermittler dafür verantwortlich. Zum „Zeitvertreib“ hätten sie die faustgroßen Steine auf die stark befahrene Autobahn A 111 vor der Einfahrt in den Tunnel Ortsteil Tegel geworfen. Die Frontscheibe eines Lastwagens wurde getroffen und splitterte. Die mutmaßlichen Täter stehen seit Donnerstag wegen versuchten Mordes vor Gericht.

Nachdenklich saß der erste Zeuge vor dem Saal. Christian K. aus Teltow musste den Horror erleben. „Ich sah nur einen Schatten von oben, ein Knall“, beschrieb der 34-Jährige. Er wollte am 23. August gerade mit seinem Zwölftonner in den Autobahntunnel fahren. „Das war ein Erlebnis, das man nicht mehr vergisst“, sagte er. „Mit so etwas rechnet man doch nicht.“ Er hatte die Nerven behalten, das Lenkrad nicht verrissen und die Autobahn an der nächsten Ausfahrt verlassen. „Ich hatte Glück, dass der Stein nicht durch die Scheibe ging.“

Wegen der hohen Gefährdung der Autofahrer durch solche Anschläge ermittelt in der Regel die Mordkommission. Zeugen hatten mehrere Jugendliche beobachtet, die vom Tatort flüchteten. DNA- Spuren an mehreren Steinen führte zu einem der mutmaßlichen Täter. Er hatte in einem Heim für betreutes Wohnen in der Nähe der Autobahnüberführung gelebt. Die Polizei erwischte ihn schließlich im September 2012 nach einer Straftat in München.

In früheren Vernehmungen soll der Jugendliche die Steinwürfe zugegeben, jedoch den Komplizen als jenen beschuldigt haben, der auf Autos zielte. Er sorgte für die Festnahme des zweiten mutmaßlichen Werfers, mit dem er früher viel Zeit verbracht haben soll. Beide sind Angaben zufolge bei der Polizei wegen mehrerer Delikte bekannt.

Im Prozess habe sich der zuerst gefasste Angeklagte zu den Vorwürfen geäußert, hieß es. Zum Inhalt aber wollte sein Verteidiger keine Angaben machen. Die Verhandlung ist nicht öffentlich.

Ende Mai soll es zu einem Urteil kommen. K.G.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben