ABC-Tarif im Umland von Berlin : Kommunen wollen raus aus dem Zonenrandgebiet

Beelitz-Heilstätten und Ferch wollen in den ABC-Tarif. Bald gibt es einen neuen Nahverkehrsplan. Verbesserungen sind geplant für Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf.

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Kurz hinter dem ABC-Tarif. Der Bahnhof Beelitz.
Kurz hinter dem ABC-Tarif. Der Bahnhof Beelitz.Foto: Imago

Ob Beelitz-Heilstätten oder Ferch – einige Orte in Brandenburg sind 25 Jahre nach Mauerfall noch immer Zonenrandgebiet. Denn sie liegen nur wenig außerhalb der Grenze zum Berliner Tarifgebiet ABC, was viele Einwohner ungerecht finden. Allerdings deuten sich Verbesserungen an, wie aus dem Entwurf des neuen Nahverkehrsplans hervorgeht, den der Kreistag Potsdam-Mittelmark im Februar beschließen will. Demnach laufen derzeit Gespräche, damit beispielsweise der Fercher Ortsteil Schwielowsee ein ABC-Dorf wird. Das Fahrgeld, was dadurch weniger eingenommen wird, ist hier offenbar besser zu verschmerzen als in anderen Orten. In Beelitz-Heilstätten könnten die Mindereinnahmen möglicherweise durch die Kommune getragen werden. Auch für die Orte Plötzin und Derwitz sollen die Chancen für den ABC-Tarif neu ausgelotet werden.

Im Nahverkehrsplan werden zudem Schwächen des öffentlichen Nahverkehrs im Kreis analysiert und Verbesserungsvorschläge gemacht. So ist das neue Werderaner Stadtquartier Havelauen an die Kernstadt schlecht angebunden. Die Stadt selber soll besser mit Beelitz und Ferch verbunden werden. Ein optimierter Nahverkehr zwischen der kompletten Gemeinde Nuthetal an Potsdam ist ein weiteres Thema der nächsten Jahre. Für den Raum Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf sieht der neue Nahverkehrsplan eine stärkere Bevorrechtigung des Busverkehrs vor.

Mehr Fahrradstellplätze soll es auch in Kleinmachnow geben

An den Bahnhöfen Elsholz und Beelitz-Heilstätten und an den Bushaltestellen Werder-Strengfeld und Petzow sind demnach bessere Parkmöglichkeiten vorgesehen. An weiteren Bahnhöfen und Bushaltestellen, besonders in Werder, Nuthetal und Kleinmachnow, soll es mehr Fahrradstellplätze geben.

Ein großes Projekt dürfte die Barrierefreiheit werden: Bis zum Jahr 2019 sollen alle Busse behindertengerecht sein. Das Personenbeförderungsgesetz des Bundes sieht eine vollständige Barrierefreiheit des öffentlichen Nahverkehrs ab 2022 vor. Wichtige Haltestellen erhalten ein Blindenleitsystem, bei neuen werden die Bordhöhen angehoben.

Der Verband privater Verkehrsunternehmen in Planebruch hat gegen den neuen Nahverkehrsplan sein Veto eingelegt. Grund: Der Landkreis will den Busverkehr zu zwei Linien bündeln, „Süd“ und „Nord“ zusammenfassen und – so fürchtet der Verband – an seine neue kommunale „Verkehrsgesellschaft Potsdam-Mittelmark“ vergeben. Kleine private Busunternehmer, die vor allem im Süden noch Aufträge haben, wären damit außen vor.

In einem Rechtsgutachten wird gewarnt, dass eine solche Direktvergabe an kommunale Unternehmen rechtswidrig sein könnte. Die Ausschreibungen müssten so erfolgen, dass auch kleinere Unternehmen eine Chance hätten. Sie wären, so das Gutachten, bei der Auftragsvergabe sogar zu bevorzugen. Das Landratsamt ist anderer Meinung – laut einem eigenen Rechtsgutachten.


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