Abfallberge : In den Parks türmt sich wieder der Müll

Nach dem ersten warmen Wochenende ärgern sich die Bezirke über rücksichtslose Feiernde. Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz zieht eine vernichtende Bilanz: "Grausam."

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Der Morgen danach. Müll und Verpackungen bleiben einfach zurück. Foto: Mike Wolff
Der Morgen danach. Müll und Verpackungen bleiben einfach zurück.Foto: Mike Wolff

Die Vermüllung vor allem des Görlitzer Parks durch Grillende und Feiernde habe Dimensionen erreicht, die mit Worten nicht mehr zu beschreiben seien, so Schulz. Rund um die Mülleimer türmten sich Flaschen und Pappen meterhoch, die Wiesen waren übersät mit Müll. „Das ist keine Übernutzung eines Parks, das ist Volksfest“ – eine geordnete Müllentsorgung sei völlig unmöglich, sagte Schulz: „Wir sind ratlos.“ Trotz völlig leerer Kassen werde der Park ab sofort dreimal die Woche gereinigt – bislang waren es nur zwei Mal.

Und auch der neueste Berliner Park, das Tempelhofer Feld, wird gestürmt von Grillern, die nicht daran denken, ihren Müll zurück in die heimische Tonne zu nehmen. Schon am vergangenen Wochenende, als nur der Sonnabend halbwegs schön war, sei eine zusätzliche Leerung der großen Müllcontainer am Sonntagmorgen beschlossen worden, sagte Parkchef Michael Krebs. Und die Grillflächen seien wegen des Massenandrangs an diesem Wochenende spontan deutlich vergrößert worden. Insgesamt sei man mit der Sauberkeit sehr zufrieden, nur wenig bleibe auf den Wiesen liegen.

Das ist auf der anderen neuen Wiese, am Humboldtforum, anders: Da es kaum Mülleimer gibt, wehen Pappe und Papier herum, leere Flaschen sammeln sich zu Haufen. Gegenüber im Lustgarten sieht es am Sonntagmittag nicht anders aus. Müll auf der Wiese und überquellende Abfallbehälter am Rand, um die herum sich der Dreck türmt. Leere Flaschen, Kartons und Becher liegen auch im Spreebogenpark zwischen Spree und Regierungsviertel. Hier hatte der Senat 2007 dem Bezirk zusätzliches Geld spendiert, um wenigstens in diesem touristischen Anziehungspunkt die Stadt von der sauberen Seite zeigen zu können. Dies sei eine einmalige Zahlung geblieben, sagte Mittes Stadtrat für Stadtentwicklung, Ephraim Gothe (SPD).

Für die Feiernden ist die Sache offenbar klar: Für die Grünanlagen sind die Bezirke zuständig. Sie müssen dort auch den Müll beseitigen. Am Wochenende bleibt er aber meist liegen. Arbeit am Wochenende müsse besonders ausgeglichen werden und führte zu einem starken Ausfall an Werktagen, sagte Gothe. Am Montag würden die Müllberge der ersten lauen Sommerabende wieder beseitigt, versprach Gothe.

Die Bezirke stehen dem Ansturm auf ihre Parks weitgehend machtlos gegenüber. Mittes Stadtrat Carsten Spallek (CDU) bedauerte, dass es nicht mehr möglich sei, das Trinken auf Straßen zu verbieten. 2004 galt das noch. Jetzt schwimmen zum Beispiel im Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Alexanderplatz nach durchzechten Nächten massenweise leere Flaschen. Verbote können nur in Grünanlagen durch die Parkordnung erlassen werden. Zur Kontrolle fehle aber Personal, sagte Spallek. Für ganz Mitte könne er in zwei Schichten jeweils nur vier Doppelstreifen einsetzen.

Der Stadtrat hat sich auch schon mehrfach dafür eingesetzt, im stets vermüllten Tiergarten das Grillen komplett zu untersagen. Eine Mehrheit dafür findet er aber nicht. Bei der Fanmeile zur Fußball-WM gibt es aber zumindest teilweise ein Grillverbot. Und weil man auf den Wegen zum Feiergelände auch mehr Abfall erwartet, stehen nach Gothes Angaben bereits zusätzlich 78 000 Euro bereit.

Woanders können Parknutzer davon nur träumen. Am Schlachtensee etwa seien die Liegewiesen nach schönen Nächten so vermüllt, dass man sich nur noch angeekelt zurückziehen könne, sagte eine Anwohnerin. Flaschen würden ins Wasser oder in Brutgebiete von Vögeln geworfen. Und nach den Saufgelagen würden in der Regel auch noch zum Abschluss die Scheiben am S-Bahnhof Schlachtensee zerstört – ein seit Jahren bestehendes Problem. Das gleiche gilt für den Hundedreck. 40 Tonnen Desinteresse muss die BSR jeden Tag beseitigen, sie werden auf Spielplätzen, vor Haustüren, vor frequentierten Kneipen hinterlassen. Das Hundekotproblem, das teilte die BSR resigniert mit, sei nur zu lösen, „wenn die Halter endlich tätig werden“.

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