Berlin : Abserviert

Das Restaurant „cibo matto“ in Mitte heißt bald „c. matto“ – weil „Tchibo“ es so will

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Die Firma „Tchibo“ ist stolz auf ihren Namen. Niemand sonst soll so heißen. Nicht mal so klingen. Wo „Tchibo“ draufsteht, darf nur „Tchibo“ drin sein, auch wenn „cibo“ draufsteht, was im Italienischen wie „tschibo" ausgesprochen wird. Ins Restaurant „cibo matto" (übersetzt: verrücktes Essen) in der Rosenthaler Straße kam in sechs Jahren noch kein Gast der eigentlich zum Kaffeeröster wollte. Aber solche Argumente sind nur was für markenrechtliche Laien. Die Anwälte von Tchibo sahen eine akute Verwechslungsgefahr wegen phonetischen Gleichklangs und verklagten die Restaurantbesitzer.

Zum 1. Januar 2005 muss sich das bekannte und bei vielen Prominenten aus der Medien und Kunstszene beliebte In-Restaurant umbenennen. Die neuen Visitenkarten sind schon gedruckt: c. matto.

Glücklich ist Inhaber Ernst Arno Bauer nicht mit dieser Lösung. Er spürt immer noch ein merkwürdiges Ohnmachtsgefühl, wenn er an den Gütetermin vorm Landgericht denkt. Die Richter seien ja sehr mitfühlend gewesen. Viele von ihnen kennen das Restaurant, aber helfen konnten sie nicht. Das deutsche Markenrecht ist unerbittlich. Dabei hat es Jahre gedauert, erzählt Bauer, die Gäste auf die korrekte Aussprache von cibo hinzuweisen; viele sagen immer noch „tsibo“.

Und nun plötzlich nur noch das „c“ und ein Punkt dahinter. Das verwirrt und wirft viele Fragen auf. Darf das „c“ noch für „cibo“ stehen? Oder muss es anonym bleiben? Darf der Barkeeper sich noch mit „cibo matto“ melden, wenn er angerufen wird? Muss man den Gästen untersagen, das Wort „cibo“ auszusprechen, solange sie im „c. matto“ sitzen?

Inhaber Bauer sieht unglücklich aus. Die Zeiten sind ohnedies schwer genug. Er findet es „unverhältnismäßig“, dass der Big Player Tchibo (800 Filialen!) gegen ein einzelnes Restaurant vorgeht. Wobei das nicht ganz stimmt: In Stuttgart hatte ein Kneipier den Erfolg versprechenden Namen „cibo matto“ einfach übernommen, erzählt Bauer. Gegen den Raubkopierer hätten sie jeden Prozess gewonnen. Aber Bauer und seine Kompagnons sind eben keine knallharten Manager. Sie riefen den Kollegen einfach an, und man einigte sich darauf, dass der Stuttgarter ein „t“ von matto streicht.

Den Tchibo-Anwälten kam das gerade recht. Es drohe eine unkontrollierte Verbreitung des Namens „cibo matto“. Vielleicht gibt es schon Pläne, frisch gerösteten Kaffee oder Pyjamas unter diesem Label zu verkaufen? Bauer bot alle möglichen Unterlassungserklärungen an. Aber Tchibo blieb hart: Weg mit „cibo“. loy

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