Berlin : Achtung Autofahrer: Wo Polizei draufsteht, ist auch Polizei drin

Erstmals Tempokontrollen ohne Tarnung durch Zivilautos Raser ließen sich von Funkwagen aber nicht schrecken

Werner Schmidt

Gleich zwei Mal auf einer Strecke von rund zwei Kilometern blitzte die Polizei am Dienstagvormittag auf der Nonnendammallee in Spandau. Den deutlich sichtbaren Hinweis – je einen vor den Kontrollstellen geparkten grün-weißen Funkwagen – beachteten aber nur wenige Autofahrer. Etwa 50 Meter weiter schnappte die Falle für 45 Schnellfahrer zu. Der schnellste war mit Tempo 70 unterwegs, wo die Polizei nur 50 Kilometer je Stunde erlaubte.

„Dort, wo ein Funkwagen steht, kann immer auch ein Blitzer sein“, sagte Frank Brinker. Der Polizeidirektor ist Leiter des Abschnitts 21 an der Moritzstraße in Spandau und hatte vor wenigen Monaten, wie berichtet, die Idee, Geschwindigkeitskontrollen durch einen deutlich sichtbar aufgestellten Funkwagen anzukündigen. „Wir wollen unsere polizeilichen Maßnahmen transparent machen und damit weg kommen vom Image der ,Wegelagerei‘“, sagte Brinker. „Wir stehen nicht hinter dem Baum.“ Viele Autofahrer fühlen sich durch die bisher eingesetzten zivilen Geschwindigkeitskontrollen, die sich zwischen geparkten Lastwagen und Anhängern, hinter abgestellten Baucontainern oder Brückenpfeilern verbergen, regelrecht abgezockt.

Die Idee von Brinker und seinem Mitarbeiter André Rensch hatte bisher zumindest einen kleinen Erfolg: Von den erwischten Schnellfahrern schimpften weniger als sonst über die Kontrolle. Aber ihre Ausflüchte sind immer dieselben: Man fahre sonst nie zu schnell, aber ausgerechnet heute habe man einen wichtigen Termin oder man habe sich nur dem Verkehrsfluss angepasst. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der stark befahrenen Nonnendammallee liegt Brinker zufolge mit 60 bis 65 Stundenkilometern deutlich über den erlaubten Tempo 50. Kaum einer der Autofahrer schenkte den geparkten Polizeiauto Beachtung. Keiner kam auf die Idee, dass nur wenige Meter weiter ein Blitzer stehen könnte. Denn bisher galt unter Autofahrern die Meinung: Wo ein Funkwagen steht, da wird nicht geblitzt.

Selbst Kontrollen mit einem Lasergerät, das einem Fernglas ähnelt und für sichere Messeergebnisse auf ein Stativ montiert wird und daher schon von weitem zu sehen ist, schrecken offenbar nur wenige Autofahrer. Mit solch einem Gerät standen Brinkers Kollegen nur etwa zwei Kilometer von der ersten entfernt – wieder stand auch ein Funkwagen am Rand. Aber die meisten Autofahrer ließen sich nicht schrecken. Es gab sogar Fahrer, die an der ersten Kontrollstelle noch vorschriftsmäßig fuhren, dann aber Gas gaben und prompt an der zweiten erwischt wurden, berichtete André Rensch nach der Auswertung am Nachmittag .

„Oft setzt man sich aus Leichtfertigkeit über die Verkehrsvorschriften hinweg“, sagte Brinker. Auf der stark befahrenen Strecke Siemensdamm, Nonnendammallee und Straße am Juliusturm gab es in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres über 240 Unfälle, von denen viele auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen sind. Bei der Polizeiführung trifft die Idee von Brinker und Rensch auf Zustimmung: „Es passt ins Präventionskonzept des Polizeipräsidenten: Verhindern statt bestrafen“, sagte Brinker. Jeder Unfall, der verhindert werde, mit dem habe die Polizei keine Arbeit.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar