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ADAC : Tunnelblick in Berlin, Skandale im Bund

Der ADAC kämpft gegen Tempolimits und forderte auch schon eine Straße unterm Brandenburger Tor. In Berlin hat er heute weniger Einfluss als früher - von Skandalen ist der Landesverband aber bislang verschont geblieben. Währenddessen beschloss der Bundesverband jetzt die Einstellung des Autopreises "Gelber Engel".

2010 ging’s um eine unterirdische Idee. Der ADAC schlug vor, das Brandenburger Tor im Tunnel zu unterqueren.
2010 ging’s um eine unterirdische Idee. Der ADAC schlug vor, das Brandenburger Tor im Tunnel zu unterqueren.Foto: Promo

Tanzveranstaltungen sind nicht die Stärke des Automobilclubs. Der Berliner ADAC-Ball wurde vor zwei Jahren eingestellt – trotz einer langen Tradition. Zuletzt wollten nur noch rund 2500 Gäste mitfeiern, in Spitzenzeiten waren es rund 8000. In den Neunzigerjahren musste das ICC gleich zwei Tage hintereinander gebucht werden, um alle Ballgäste unterzubringen.

Als Zeichen für den Niedergang des Berliner ADAC muss das Ende des Balls aber nicht gedeutet werden. Von Skandalen wie momentan beim Bundesverband in München ist der Landesverband verschont geblieben. Nach dem Skandal um manipulierte Teilnehmerzahlen will der ADAC den Autopreis „Gelber Engel“ nach neusten Meldungen nämlich einstellen. „Wir denken im Moment überhaupt nicht darüber nach, ob wir so etwas ähnliches wieder machen wollen“, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer am Mittwoch der Branchenzeitung „Automobilwoche“.

Die Mitgliederzahlen in Berlin und Brandenburg sind unterdessen kontinuierlich gestiegen, auf jetzt fast 1,3 Millionen . Der ADAC ist auch in der Hauptstadt zum wirtschaftlichen Riesen gewachsen, sein politischer Einfluss ist allerdings weit dahinter zurückgeblieben. Die „Autolobby“, als deren Sprachrohr der ADAC lange galt, ist in Zeiten von Klimaschutz und Lärmschutzdebatten nicht mehr so schlagkräftig wie früher.

Keine Anzeichen für eine Austrittswelle

„Auch wir sind von den aktuellen Ereignissen in München überrascht“, sagt Manfred Voit, Vorsitzender des ADAC Berlin-Brandenburg. „Unseren Mitgliedern kann ich versichern, dass sie weiterhin auf unsere Hilfe, den Service des ADAC und die Beratung vor Ort vertrauen können.“ Von einer Austrittswelle sei derzeit nichts bekannt, sagte ein Verbandssprecher. Im Übrigen veranstalte man selbst keine Umfragen oder Tests, heißt es mit Blick auf die manipulierte Auswertung der ADAC-Lieblingsauto-Wahl. Der Landesverband mit seinen knapp 200 Mitarbeitern sei wirtschaftlich eigenständig.

1989 waren dem Club die Mitglieder scharenweise davongelaufen, weil der ADAC sich vehement gegen das damals vom rot-grünen Senat beschlossene Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf der Avus gewehrt hatte. Der Club verneinte eine Frage des Tagesspiegels, ob Mitglieder wegen der Kampagne fürs Vollgas den Verein verlassen hätten. Daraufhin meldeten sich jedoch täglich Ex-Mitglieder bei der Redaktion, die ihre Kündigung bestätigten. Rund tausend hatten sich am Ende allein beim Tagesspiegel gemeldet. Das Tempolimit gilt heute noch. Auch durch teilweise abstruse Vorschläge ist der ADAC bereits aufgefallen – im Namen der Mitglieder. 2010 schlug der Vorstand vor, den Straßenzug Unter den Linden fast vollständig zu untertunneln – mit Rampen westlich vom Brandenburger Tor und an der Spandauer Straße. 500 Millionen Euro hätte der Tunnel kosten sollen. Es war ein Plan, den außer dem ADAC so gut wie niemand befürworten wollte. Ganz schnell wurde er dann auch aufgegeben.

Verfahren. Mit manchen Kampagnen kam der ADAC nicht weit. 1989 demonstrierten Aktivisten mit ihren Kindern gegen das Tempolimit auf der Avus.
Verfahren. Mit manchen Kampagnen kam der ADAC nicht weit. 1989 demonstrierten Aktivisten mit ihren Kindern gegen das Tempolimit...Foto: ullstein - Schoelzel

ADAC prognostizierte wegen Umweltzone Pleitewelle von Betrieben

Den Untergang der (Auto-)Welt hatte die Clubspitze 2008 vor Augen, als in der Stadt eine der ersten Umweltzonen in Deutschland eingeführt wurde. Auch dagegen protestierte der ADAC – und unterstützte Klagen, die allesamt vor Gericht scheiterten. Zu der prognostizierten Pleitewelle von Betrieben, deren alte Fahrzeuge vom Befahren der Umweltzone ausgeschlossen wurden, kam es auch nicht. Inzwischen ist die Umweltzone weitgehend akzeptiert. Eindeutig positioniert hat sich der Club auch bei der Frage, ob es für ältere Autofahrer einen obligatorischen Gesundheitscheck geben sollte. Nein, sagen die Clubverantwortlichen. Senioren könnten selbst erkennen, ob sie noch fahrtüchtig seien. Nicht auf seiner Seite waren 2009 Hunderttausende von Berlinern, die auf dem Tempelhofer Damm ein Feuerwerk auf dem ehemaligen Flugfeld sehen wollten. Wäre es nach dem ADAC gegangen, wäre die Straße – wie auch die Stadtautobahn in diesem Bereich – nicht gesperrt worden, wie es der Senat vor allem aus Sicherheitsgründen veranlasst hatte.

Angst vor dem Totalschaden

Gedränge hinter der Fichte

Flügellahmer Engel

ADAC unterstützt Weiterbau der A 100 in Berlin

Mehr Mitglieder dürfte der Club dagegen auf seiner Seite haben, wenn er fordert, für Radler Routen auf Nebenstraßen einzurichten. Dann gibt es schließlich mehr Platz für die Autos auf den Hauptstraßen. Anklang findet der Club auch bei seiner Unterstützung für den Weiterbau der Stadtautobahn A 100 zum Treptower Park. Der Wunsch des Clubs, für ADAC-Mitglieder ein spezielles Ticket für den Nahverkehr einzuführen, das sechs Monate gilt, aber nur fünf Monate bezahlt werden muss, dürfte ebenfalls Beifall finden – wenigstens bei jenen, die sich neben einem Ticket für Bus und Bahn noch ein Auto leisten.

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