Adel berichtet (15) : Zwei wie wir

Stefan Stuckmann zeichnet auf, wie unser Redaktionspraktikant Cedric zu Guttenberg die Stadt erlebt.

Stefan Stuckmann
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Dass Sie jetzt bloß nicht erwarten, von mir noch mehr von diesen würdelosen Wowereit-Witzen zu hören! Dann hat halt seine Matratze gebrannt, na und? Der Respekt vor dem Amt verbietet es doch, eine solche Lappalie für billige Polemik zu benutzen. Und ganz egal, was ich politisch von unserem Regierenden Bürgermeister halte, rein menschlich sollten wir uns alle ein Beispiel an ihm nehmen: 19 Jahre ist er jetzt mit seinem Lebensgefährten zusammen, und trotzdem bringt er ihm zum Frühstück immer noch das Käsefondue ans Bett.

Das ist ja gerade die Herausforderung am Leben zu zweit: sich dem Alltag zum Trotz die kleinen Glücksmomente zu erhalten. Ich merke es gerade an mir und meinem Jungdackel Taxi. Seit wir erfahren haben, dass wir morgen im großen „Bello Dialog“ des Senats die Zukunft der Berliner Hundepolitik mitgestalten dürfen, besteht unsere gemeinsame Zeit nur noch aus Arbeit. Drei Nächte haben wir durchgemacht, aber Taxi ist mit unserem Konzept zum Hundeführerschein immer noch nicht zufrieden. Unruhig sitzt er neben mir, als wir die Powerpoint-Folien durchgehen, und haut immer wieder seine Pfote aufs Touchpad, wenn es ihm nicht schnell genug geht. Als wir dann auch noch merken, dass ich beim Balkendiagramm zur Beißstatistik veraltete Daten benutzt habe, wirft er wütend seine Bionade um und fängt so laut an zu bellen, dass ich ins Badezimmer flüchte.

Ein bisschen kann ich Taxi ja verstehen: Sein erster politischer Auftritt, noch dazu im Schloss Friedrichsfelde – da hat er weiche Knie, vier Stück sogar. Aber vielleicht mache ich ihm zu viel Druck, wenn ich ihm abends immer die Steve- Jobs-Biografie als Hörbuch vorspiele?

Dann schiebt Taxi die Autoschlüssel unter der Tür durch. Er will noch ins Schloss fahren, seinen Auftritt proben. Ich merke, wie sehr mir die Situation zusetzt, als ich völlig unbewusst die Tube mit der Hundezahnpasta zerdrücke. Ganz klar: Wir brauchen jetzt etwas, das wir nur für uns tun, ganz ohne Druck. Aber was? Was kann unsere brennende Matratze sein? Als Taxi vor der Tür ungeduldig jault, habe ich eine Idee.

Zwei Stunden später stehen wir nassgeschwitzt vor dem Mikro meiner Karaoke-Anlage und üben unseren Song für den Mauerpark. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir uns auf das richtige Lied einigen konnten, aber als ich Taxi zum Refrain von „The Circle of Life“ in die Luft strecke, weiß ich: Das mit uns, das ist was für länger.

Hochachtungsvoll,

Ihr

Cedric

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben