Berlin : Ärger am Groß-Glienicker See

Naturschützer protestieren gegen Baupläne

Rainer W. During

Die geplante Bebauung des ehemaligen Strandbades am Groß-Glienicker See in Kladow hat zu massiven Protesten von Anliegern und Naturschutzverbänden geführt. Ein privater Investor will hier ein Anwendungszentrum für Sport, Gesundheit und Kultur errichten. Das Bezirksamt Spandau hat dafür einen Vorhaben bezogenen Bebauungsplan aufgestellt.

Vorgesehen sind danach insgesamt neun Gebäude, darunter ein Meditationspavillon und ein Haus der Stille. Aber auch Gebäude für Anwendungen, Aufenthalt und Gastronomie soll es geben. Dazu kommen ein Gästehaus für neun Personen, Wohnungen für Eigentümer und Personal sowie Unterbringungsmöglichkeiten für Seminarleiter. Auf dem Freigelände sind unter anderem Sonnen- und Gymnastikwiesen, eine Fläche für Bogenschützen sowie eine Badestelle geplant.

Strittig ist, ob ein Teil des Grundstücks zu einem Landschaftsschutzgebiet gehört. Investor Torsten Birlem behauptet, die ursprünglichen Grenzen seien in den 70er Jahren verändert worden. Die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz hat das Projekt im Namen ihrer Mitgliedsverbände strikt abgelehnt und fordert eine Ausweitung des Schutzgebietes auf die gesamte Fläche. Sie fürchtet um Erlenwald, Röhrichtbestand und die streng geschützte Sandstrohblume. Außerdem, so argwöhnen die Naturschützer, könnte das Zentrum zu einem späteren Zeitpunkt unter dem Vorwand der Unwirtschaftlichkeit als Keimzelle einer Wohnsiedlung dienen.

Auch Nachbarin Susanne Herm befürchtet eine Verunstaltung des Landschaftsbildes und eine Gefährdung seltener Vögel und Amphibien. Sie moniert ferner die Diskrepanz zwischen einer geplanten Gebäudefläche von 5000 Quadratmetern und der vorgesehener Nutzung durch täglich zwei Gruppen mit etwa 15 Personen. Auch sei der im Entwurf angegebene, zu erwartende Geräuschpegel für Sportanlagen überhöht.

Torsten Birlem, dessen Ehefrau das Zentrum betreiben will, weist die Vorwürfe zurück. Die Gesamtnutzfläche werde 1200 Quadratmeter betragen, was eine Zunahme um nur rund 700 Quadratmeter bedeute. Die Gästewohnungen benötige man für Wochen- und Wochenendgruppen. Ausgleichsmaßnahmen würden sicherstellen, dass sich die Situation der Amphibien nicht verschlechtert. Dem früheren Betreiber des Strandbades, der noch auf dem Gelände wohnt und gegen seine Kündigung klagt, habe man ein vergleichbares Ersatzquartier in der Nähe angeboten.

Die Stellungnahmen werden im Beteiligungsverfahren bewertet, sagte der Sprecher der Spandauer Bauverwaltung, Patrick Sellerie. In der Bezirksverordnetenversammlung am 29. November wollen sowohl Grüne als auch Anwohner Baustadtrat Carsten Röding (CDU) zu den Plänen befragen.

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