Berlin : Ärger mit selbsternannten Sprachschützern, die gegen Anglizismen antreten (Glosse)

Bernd Matthies

Sollte das eine Trendwende sein? "We kehr for you" hatte die Stadtreinigung dichten lassen, als ihre beiden heißen Feger zum ersten Mal auf Plakaten in der ganzen Stadt Besen zeigten. Das gab dann sofort mächtig Ärger mit den Sprachschützern, die nicht dem Müll, sondern dem Anglizismus in all seinen Lebensformen eine Abfuhr erteilen wollen. Offenbar mit Erfolg, denn bei der neuen Stufe der Plakatkampagne hat die BSR diese Kritik ausdrücklich berücksichtigt und lässt nun "Laubburschen" zum Dienst antreten. Und "Dreckig wars", der Kampf der Männer mit dem Laserbesen, ist ein so subtiler Anglizismus, dass er den Sprach-TÜV eigentlich passieren müsste. Vielleicht, dass noch jemand in die "wars" für alle Fälle einen teutschen Apostroph einfügt?

Man kann ja nicht vorsichtig genug sein. Denn der letzte, der sich hochgemut mit den Sprachbewahrern angelegt hat, war Johannes Ludewig. Es ist ein paar Wochen her, dass der Bahn-Boss sich unbeeindruckt zu "Service Point" und "McClean" bekannte - und drei Tage später gefeuert war. In der Staatsoper ("What next") steht die Verteidigung noch; doch schon sind die Nächsten dran - "The Story of Berlin". Der Verein hat die Ausstellung im Visier. Die Macher müssen jetzt sehr tapfer sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben