Berlin : Ärger über Clement im Job Center

Zu viel Zeitdruck? Die Vermittlung junger Arbeitsloser entspricht noch nicht den Vorgaben des Ministers

Cordula Eubel

Die Betreuung von jungen Arbeitslosengeld-II-Empfängern kommt nicht so voran, wie Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) gefordert hat. In Berlin haben noch nicht alle unter 25-Jährigen eine Eingliederungsvereinbarung mit ihrem Job Center abgeschlossen. In Friedrichshain-Kreuzberg zum Beispiel haben bis Ende März nur etwa knapp ein Viertel – also 600 der 2500 arbeitslosen Jugendlichen im Bezirk – mit ihrem zuständigen Fallmanager vereinbart, wie sie für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden können.

Mit den zeitlichen Vorgaben, die von der Bundesregierung gemacht worden sind, ist man in den Job Centern nicht besonders glücklich. „Wir ärgern uns über den Druck“, sagt Hermann Berger, beim Job Center Friedrichshain-Kreuzberg Bereichsleiter für die Betreuung der unter 25-Jährigen. „In 60 Tagen ist es nicht machbar, mit allen eine Vereinbarung abzuschließen.“ Schließlich müsse man den Jugendlichen auch etwas „Anständiges“ anbieten. Zuerst findet ein „Profiling“ statt – eine ausführliche Stärken- und Schwächenanalyse. Spätestens beim vierten Gespräch soll der Fallmanager mit dem Arbeitslosen eine Eingliederungsvereinbarung unterzeichnen. In dem Vertrag werden konkrete Schritte vereinbart, etwa, wie der fehlende Schulabschluss nachgeholt werden kann. Ein Großteil der 2500 arbeitslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Bezirk sei schon zu einem erstem Gespräch erschienen, sagt Berger. Er hofft, bis zur Jahresmitte Clements Vorgaben erfüllen zu können.

Harald Brandes, Geschäftsführer im Job Center Charlottenburg-Wilmersdorf, ist zuversichtlich, dass seine Mitarbeiter bis Ende April oder Mitte Mai mit der Arbeit durch sind. Derzeit gebe es „ein paar hundert“ Eingliederungsvereinbarungen, bei 1400 jugendlichen Arbeitslosen.

Die Verzögerungen liegen auch daran, dass einige Job Center noch auf einen Teil ihrer Mitarbeiter warten müssen. In Friedrichshain-Kreuzberg etwa sind derzeit drei Teams mit insgesamt 60 Personen für die Betreuung und Vermittlung der unter 25-Jährigen zuständig, in den nächsten Monaten soll weiteres Personal dazukommen. In Charlottenburg-Wilmersdorf ist das Team mit 20 Stellen dagegen schon komplett.

Da viele Jugendliche nicht einmal einen Hauptschulabschluss haben, setzt Job- Center-Geschäftsführer Brandes darauf, diese Personengruppe handwerklich oder kaufmännisch zu qualifizieren und begleitend den Schulabschluss nachzuholen. „Ein-Euro-Jobs dürfen für Jugendliche nur die letzte Alternative sein“, sagt er. Ohne Arbeit waren im Februar gut 40 000 Berliner unter 25 Jahren. Davon hatte nach Angaben eines Sprechers der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg mehr als die Hälfte (25 300) keine Berufsausbildung. Knapp ein Viertel kommt aus der Sozialhilfe und gehört jetzt zu den Arbeitslosengeld-II-Beziehern. In Brandenburg liegt der Anteil der jungen Arbeitslosen ohne Berufsausbildung bei einem Drittel.

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