Berlin : Affäre um Berlin-Hyp: PDS erstattet Anzeigen gegen Vorstandsmitglieder

Sabine Beikler

Wusste der frühere Vorstand der Berlin-Hannoverschen Hypothekenbank von der beabsichtigten Flucht des Berliner Immobilienpleitiers Jürgen Hanne im Mai 2000 nach Kanada? In einer dem Tagesspiegel vorliegenden eidesstattlichen Versicherung wird behauptet, die Rechtsabteilung der Berlin Hyp soll vom Vorstand angewiesen worden sein, "den Haftbefehl keinesfalls vor dem 8. Mai 2000" zu vollstrecken - einen Tag, nachdem Hanne Richtung Kanada ausgereist war. Hanne hinterließ in Deutschland rund 4500 Anleger und Privatbanken, die nach der Wende 1,5 Milliarden Mark in über 30 Immobilienfonds einbrachten. Auch die Berlin Hyp war Kreditgeber für Hannes Immobilienfondsgeschäfte.

Die Berliner PDS-Fraktion hat mittlerweile Anzeigen wegen des Verdachts auf Untreue, Begünstigung und Strafvereitelung gegen den früheren Berlin-Hyp-Vorstandssprecher Klaus Landowsky, gegen die Ex-Vorstandsmitglieder Jürgen Noack und Gerd-Ulrich Blümel sowie gegen die Vorstandmitglieder Dirk Hoffmann und Heinz Dieter Gottschalk gestellt. Laut PDS-Pressesprecher Günter Kolodziej soll der damalige Vorstand der Berlin Hyp einen zivilrechtlichen Haftbefehl gegen Hanne ausgesetzt und ihm so die Flucht ermöglicht haben.

Tagesspiegel Online Spezial:
www.tagesspiegel.de/landowsky

Berlin Hyp-Sprecher Detlef Untermann weist die Vorwürfe der PDS als "völlig haltlos" zurück. "Wir können als Kreditgeber ellenlange Vollstreckungsmaßnahmen gegen Herrn Hanne vorweisen." Eine Anweisung an die Rechtsabteilung der Bank, die Vollstreckung eines zivilrechtlichen Haftbefehls nicht vor dem 8. Mai zu vollstrecken, habe es nicht gegeben. Einerseits habe Hanne zum Zeitpunkt der Umsetzung des Haftbefehls in Untersuchungshaft gesessen, so dass eine Vollstreckung nicht möglich war. Jürgen Hanne wurde am 15. April 2000 aus der Untersuchungshaft entlassen, nachdem er wegen Kapitalanlagebetrugs zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt worden war. "Zu diesem Zeitpunkt wiederum lag uns die Zusage eine Hanne-Anwalts vor, dieser werde innerhalb von 14 Tagen eine eidesstattliche Vermögensaufstellung liefern", sagte Untermann. Die Voraussetzungen für einen zivilrechtlichen Haftbefehl seien deshalb nicht mehr gegeben gewesen.

Die Unterstellungen der PDS könnten als "erneuter Versuch" gewertet werden, die Berlin Hyp und ihre Mitarbeiter in Misskredit zu bringen. Die "anhaltende Kampagne" gegen die Bank gestalte sich mittlerweile "als äußerst geschäftsschädigend und als arbeitsplatzgefährdend". Der frühere Hyp-Vorstandssprecher Klaus Landowsky bezeichnete es als "ausgemachten Unsinn", er habe "irgendwem zur Flucht verholfen".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben