Berlin : Agnes kommt bald nicht mehr

Brandenburger Modellprojekt der Gemeindeschwestern steht auf der Kippe

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Potsdam - In Brandenburg, dem Land mit der bundesweit geringsten Arztdichte, droht bei der medizinischen Versorgung ein Rückschlag: Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) kündigte am Freitag einen Vorstoß bei Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) an, um die „Gemeindeschwester“ zu retten, die seit einem Jahr in einigen Regionen die immer weniger werdenden Landärzte etwas entlastet. Obwohl dies erst in den Anfängen steckt, droht das Aus. „Der Ansatz ist gut. Aber die Finanzierung funktioniert so nicht“, sagte Tack.

Grund ist, dass das im März 2009 auf Bundesebene beschlossene und in ganz Deutschland geltende Finanzierungsmodell für das Projekt „Agnes“ – der Name erinnert an eine Gemeindeschwester aus dem DDR-Fernsehen – nach den Erfahrungen in einem Flächenland wie Brandenburg nicht aufgeht. So lautet jedenfalls der einhellige Befund von Kassenärztlicher Vereinigung, Tack-Ministerium, aber auch der SPD sowie der Grünen und CDU-Opposition im Landtag. Bislang hatten sich hier 19 Arztpraxen beteiligt – und „Gemeindeschwestern“ übers Land geschickt, die bei Hausbesuchen etwa Blutdruck messen, Blut abnehmen oder Medikamente kontrollieren. Inzwischen machen jedoch erste Praxen einen Rückzieher. Sie erhalten für einen solchen Erst-Besuch pauschal nur 17 Euro, für Folgebesuche nur 12,50 Euro. Das deckt bei den langen Fahrtwegen im dünnbesiedelten Brandenburg nicht einmal ansatzweise die Kosten, sagt Rolf Herre von der Kassenärztlichen Vereinigung.„Die Praxen zahlen bislang drauf“, sagt auch Ursula Nonnenmacher, Gesundheitsexperten der Grünen-Fraktion. Die umstrittenen Pauschalen sind keine Brandenburger Angelegenheit. Sie gelten nach einer Einigung von Kassen und Ärztevertretern auf Bundesebene in allen Ländern, seit im März 2009 – auf Druck Ostdeutschlands, gegen Widerstände etwa aus Bayern oder Baden-Württemberg – die Gemeindeschwester in die allgemeine „Regelversorgung“ aufgenommen wurde. Für eine Landesfinanzierung sieht Tack „keine Spielräume“. Allerdings wies sie darauf hin, dass durchaus Kooperationen verbessert werden können, etwa, dass „sich mehrere Praxen eine Gemeindeschwester teilen“. Die „Gemeindeschwester“ ist nach dem Bundesmodell für medizinisch unterversorgte Regionen gedacht, in denen kaum noch Praxen zu finden sind. In Brandenburg zählen dazu Schwedt, Guben, Forst, Pritzwalk, Angermünde, Jüterbog sowie das Umland der Stadt Brandenburg. Da sich das Problem wegen der demografischen Entwicklung weiter verschärft, hatte Rot-Rot im Koalitionsvertrag angekündigt, dass „neue Angebote wie die Gemeindeschwester in unterversorgten Regionen ausgebaut werden“. Thorsten Metzner

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