Aids-Gala im Theater des Westens : Kämpfen und feiern

Die Gala „Künstler gegen Aids“ unterstützt ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2020 soll die Krankheit weitgehend verschwunden sein.

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Annabelle Mandeng (l-r), Klaus Wowereit (SPD) und Judy Winter bei "Künstler gegen Aids-Gala 2016".
Annabelle Mandeng (l-r), Klaus Wowereit (SPD) und Judy Winter bei "Künstler gegen Aids-Gala 2016".Foto: Britta Pedersen/dpa

"Geht zum Test, bleibt nicht unwissend", appellierte Schirmherrin Judy Winter am Montagabend im ausverkauften Theater des Westens an die Gäste der Gala "Künstler gegen Aids". Kann der Kampf gegen Aids bis zum Jahr 2030 gewonnen werden? Das war ein zentrales Thema, das auch Arbeitssenatorin Dilek Kolat in ihrem Grußwort aufgriff. Sie versprach, dass die neue Koalition die Präventionsarbeit stärken wolle.

Anne Momper setzt sich schon seit vielen Jahren für Aids-Kranke ein

In Berlin, das mit der Berliner AidsHilfe zur sogenannten "Fast-Track-Cities-Initiative" zählt, sollen schon bis zum Jahr 2020 etwa 90 Prozent aller Menschen mit HIV ihren positiven Status kennen. Von diesen sollen sich 90 Prozent in antiretroviraler Therapie befinden, und bei 90 Prozent der Behandelten sollen keine Viren im Blut mehr nachweisbar sein. Damit das Ziel erreicht wird, braucht es Aufmerksamkeit. Auch deshalb wird der "HIV Awareness Award" verliehen. Preisträgerin war in diesem Jahr Anne Momper, die mit einer Standing Ovation geehrt wurde. Die Frau des früheren Regierenden Bürgermeisters Walter Momper hat sich für einen differenzierten Blick auf die Krankheit eingesetzt, um Vorurteile zu überwinden. Als Mitgründerin des Wohnprojekts „Zuhause im Kiez“ (ZIK) hat sie vielen Betroffenen zu einem betreuten Wohnplatz verholfen.

"Künstler gegen Aids": Das war die Gala in Berlin
Der Schirmherr der Benefiz-Gala "Künstler gegen Aids", der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Partner Joern Kubicki stehen am 24.11.2014 im Theater des Westens in Berlin auf dem Roten Teppich.Alle Bilder anzeigen
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25.11.2014 08:42Der Schirmherr der Benefiz-Gala "Künstler gegen Aids", der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Partner Joern Kubicki...

Unvergessen ist ein spektakulärer Einsatz im Sommer 1990, der die damalige First Lady Berlins und ihre Tochter groß in die Medien brachte, und an den Laudatorin Rita Süssmuth erinnerte. Damals schwamm sie mit ihrer Tochter mit der Schwimmgruppe der AG Berliner Positive, nachdem ein Sportarzt gerade ein Badeverbot für Aidskranke verhängt hatte. Die Krankheit war noch neu und tödlich, über die Übertragungswege war erst wenig bekannt. Auch als Schirmherrin der Berliner Aids-Hilfe verstand sich Anne Momper als Botschafterin, die unermüdlich aufklärte. Rita Süssmuth forderte auch an diesem Abend, den sie atmosphärisch sehr berührend fand: "Prävention statt Herabsetzung! Würde statt Ausgrenzung!" Anne Momper sagte, auch bei der Arbeit in den Schulen müsse weiter um jede Vorsicht geworben werden: "Aids ist keine einfache Krankheit."

Rund 16 500 Menschen in Berlin haben Aids

Klaus Wowereit und Annabelle Mandeng führten souverän durchs Programm. Mit dabei sein wollten die Politiker Klaus Lederer, Sebastian Czaja, Jens Spahn, Ramona Pop und Renate Künast, außerdem viele Kuratoriums-Mitglieder der Berliner Aidshilfe, darunter Barbara Schöne, Jochen Kowalski, Monika Hansen, Peter Kurth, René Koch, Susanne Juhnke und Udo Walz. Alle Künstler verzichteten zugunsten der Berliner Aidshilfe auf ihre Gage. Auch Mäzenin Maren Otto als Ehrengast und "Playboy" Rolf Eden waren gekommen.

Neben dem Theaterensemble von Sister Act beteiligten sich unter anderem Angelika Milster, Katharine Mehrling, Caught in the Act und The Flying Steps am Programm für die rund 1600 Gäste. Bei der After Show-Party am späten Abend wollte nach vielen Jahren erstmals wieder der langjährige Intendant des Theaters des Westens, Helmut Baumann, dort auftreten.

Besonders Frauen nach den Wechseljahren stecken sich an

Im vergangenen Jahr lebten rund 16 500 Menschen mit HIV/Aids in Berlin, davon 12 500 unter Therapie. 430 Neuinfektionen wurden registriert. Betroffen sind häufiger auch Frauen nach den Wechseljahren, die sich zu unbefangen auf ungeschützten Sex einlassen und sich mangels Problembewusstsein zu spät testen lassen.

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