Berlin : Airline will Flughafen Tempelhof übernehmen

Statt Schließung im nächsten Jahr: Neuer Chef der Deutschen BA legt Konzept vor und plant den Betrieb ohne öffentliche Zuschüsse

Klaus Kurpjuweit

Neuer Kurs für den Flughafen Tempelhof. Statt ihn zu schließen, soll er wieder zu einem kleinen Drehkreuz werden. Der neue Besitzer der Deutschen BA, der Textil-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, will nach eigenen Angaben den Betrieb zuschussfrei übernehmen und dort seine Aktivitäten konzentrieren. Erste Gespräche sollen in der nächsten Woche stattfinden.

Die jetzt in dba umbenannte Fluggesellschaft will alle Flüge von Tegel nach Tempelhof verlagern. So würde auf dem aus allen Nähten platzenden Flughafen Tegel für andere Gesellschaften Platz geschaffen. Eine hohe Hürde hat allerdings überraschend die Bundesvermögensverwaltung aufgestellt. Einen Betreiberwechsel beim Flughafen könne es nur geben, wenn der Neue die Anlage kauft. Preis: rund 150 Millionen Euro.

Die Berliner Flughafengesellschaft will Tempelhof Ende Oktober 2004 schließen lassen, weil der Betrieb jährlich zu einem Verlust von zuletzt etwa 13 Millionen Euro führt. Der größte Brocken davon geht auf die Unterhaltung des riesigen Gebäudekomplexes zurück, der nur zu einem Teil vermietet ist. Der Inhaber der dba, Hans Rudolf Wöhrl, ein erklärter Fan von Tempelhof, bietet der Flughafengesellschaft an: „Übertragen Sie mir Tempelhof, und wir werden uns um diesen Flughafen zuschussfrei kümmern.“ Die Rechnung für Wöhrl sieht dabei ganz einfach aus: Für die Starts und Landungen in Tegel zahle dba derzeit rund 14 Millionen Euro im Jahr. Bei einem Umzug nach Tempelhof auf den „eigenen“ Flughafen würde er diese Gebühren sparen und könnte somit die gesamten Verluste des Flughafens decken. Von einem Kauf der Anlage, wie ihn die Bundesvermögensverwaltung nun fordert, war dabei allerdings keine Rede. Bernhard Liscutin, der Präsident der Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (ITAC) , ist allerdings überzeugt, dass es auch ohne förmlichen Betreiberwechsel zu einer Übergabe des Betriebs an die dba kommen könnte, wenn die Flughafengesellschaft mitziehe. Diese will sich erst äußern, wenn ein konkretes Angebot vorliege. Das sei für nächste Woche angekündigt, sagte Flughafensprecherin Rosemarie Meichsner.

Wöhrl, der sich zu seinen Plänen nicht weiter äußern wollte, überlegt dem Vernehmen nach auch, bei einem Umzug nach Tempelhof zumindest einen Teil der Verwaltung der dba von München nach Berlin zu verlagern. Bei der Gründung der damals Deutschen BA, an der die British Airways beteiligt war, hatte Berlin im Rennen um den Konzernsitz verloren. Wöhrl hat in diesem Jahr die defizitäre Fluglinie für einen symbolischen Preis von einem Euro von British Airways übernommen. Jetzt versucht er, das Unternehmen rentabel zu machen. Dabei stören auch die hohen Mieten am Flughafen München. In Tempelhof gibt es dagegen in den vorhandenen Hangars reichlich Platz für das Abstellen von Flugzeugen. Tempelhof soll nach Wöhrls Plänen aber nur bis zur Eröffnung des in Schönefeld geplanten Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) Berliner Basis sein. Danach würde er den Flugbetrieb nach Schönefeld verlegen, so Wöhrl.

Nach einer Übereinkunft von 1996 zwischen Berlin, Brandenburg und dem Bund soll Tempelhof allerdings bereits geschlossen werden, sobald die rechtskräftige Genehmigung für den BBI-Bau vorliegt. Diesen so genannten Konsensbeschluss will die CDU jetzt nicht mehr gelten lassen. Sie setzt sich dafür ein, in Tempelhof bis zur BBI-Eröffnung Flugzeuge starten und landen zu lassen. Danach könnte der Flughafen im Geschäftsreiseverkehr genutzt werden, sagte der CDU-Verkehrsexperte Alexander Kaczmarek.

Er ist überzeugt, dass BBI erst in frühestens zehn Jahren an den Start gehen kann. Bisher gebe es nach dem Scheitern der Privatisierung noch nicht einmal ein Finanzierungskonzept durch die öffentliche Hand. Geplant war die BBI-Eröffnung für Ende 2007. Inzwischen nennen auch die Planer als Termin die Jahre 2009/2010. So lange brauche Berlin die Kapazitäten Tempelhofs für den innerdeutschen und den Geschäftsreiseverkehr.

Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) verwies dagegen auf den Staatsvertrag zwischen Berlin und Brandenburg, der nur einen Flughafen für die Region vorsehe.

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