• Airlines kämpfen weiter für Flughafen Tempelhof Unternehmen und Opposition fordern Senat auf, den Standort über 2006 hinaus offen zu halten

Berlin : Airlines kämpfen weiter für Flughafen Tempelhof Unternehmen und Opposition fordern Senat auf, den Standort über 2006 hinaus offen zu halten

Sabine Beikler,Rainer W. During

Oppositionsparteien, Wirtschaftsverbände und Luftverkehrsgesellschaften haben in ihrem Bestreben, den Flughafen Tempelhof längerfristig zu erhalten, neuen Auftrieb bekommen. „Tegel ist voll, und mit den jüngsten Zahlen über die Entwicklung wird die Kapazität in Schönefeld 2007 auch ausgeschöpft sein“, sagt Daniel Noramann, Deutschland-Direktor der SN Brussels Airlines. Da wäre es „töricht“, Tempelhof vor Eröffnung des in Schönefeld geplanten Großflughafens Berlin Brandenburg International Airport (BBI) zu schließen, womit 2010/11 gerechnet wird. Flughafengesellschaft und Senat halten dagegen an ihren Schließungsplänen fest.

Am Montag wollen die Belgier mit Flughafen-Chef Dieter Johannsen-Roth über die aktuellen Entwicklungen sprechen. „Wir hoffen, von der politischen Ideologie herunterzukommen“, sagt Noramann. Auch wegen der offenen rechtlichen Fragen, über die das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheiden muss, wäre eine vorzeitige Schließung von Tempelhof fahrlässig.

Doch der Senat bleibt hart. „Die Schließung von Tempelhof 2006 ist Teil des Konsensbeschlusses. Daran wird nicht gerüttelt. Wenn Tempelhof allerdings besser ausgelastet wird, werden die Verluste von 14 Millionen Euro minimiert“, sagt Manuela Damianakis, Sprecherin von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) .

„Das reicht nicht. Die Unternehmen brauchen auch über 2006 hinaus eine Investitionssicherheit vom Senat“, fordert CDU-Verkehrspolitiker Alexander Kaczmarek. Bis zur geplanten Inbetriebnahme von Schönefeld im Jahr 2010 müsse Tempelhof geöffnet bleiben. Die FDP wiederum will den Standort Tempelhof auch über 2010 hinaus erhalten.

Die Luftverkehrsgesellschaft dba wird mit Beginn des Sommerflugplans weitere Flüge nach Tempelhof verlagern. Wie berichtet, wird dba acht tägliche Flugpaare nach Köln/Bonn anbieten, ferner sind zwei Verbindungen nach München geplant. Wiederholt hat dba-Chef Rudolf Wöhrl angeboten, den Flughafen Tempelhof in privater Regie zu übernehmen. Wöhrl meint, den City-Airport profitabel betreiben zu können. Senat und Flughafengesellschaft haben Gespräche darüber bisher abgelehnt. Ob man bei einem Scheitern der Übernahme versuchen werde, gegen die Schließung von Tempelhof bei Planreife für den BBI zu klagen, werde man „zu einem späteren Zeitpunkt“ entscheiden, sagt dba-Firmensprecher Schellenberg. „Jetzt wollen wir erst einmal sehen, ob die Passagiere die Verlegung der zusätzlichen Flüge positiv aufnehmen."

Der dba-Sprecher wies Gerüchte zurück, wonach die Genehmigung der Bundesregierung, die auf den Flügen ein Kontingent für pendelnde Beamte reserviert hat, noch aussteht. „Uns liegt ein Schreiben des Verkehrsministeriums mit der Zustimmung vor.“

2004 wurden in Schönefeld drei Millionen Reisende gezählt, bis Ende 2005 sollen es fünf Millionen sein. Ein Drittel davon entfiel auf den Billigflieger Easyjet, der sein Aufkommen in diesem Jahr verdreifachen will. Wie berichtet, wird Germanwings den Airport ebenfalls zum Drehkreuz machen und jährlich 700 000 Passagiere nach Berlin transportieren.

Das Frankfurter Oberverwaltungsgericht hat kürzlich den Landesentwicklungsplan für den geplanten Großflughafen in Schönefeld aufgehoben. Gegen die Nichtzulassung der Revision hat das Brandenburger Verkehrsministerium inzwischen vor dem Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingelegt. Dieses muss im kommenden Jahr außerdem über die Klagen der Standortgegner gegen den BBI-Planfeststellungsbeschluss entscheiden.

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