Berlin : Akademie fertig – aber dicke Luft am Pariser Platz

Vor der Eröffnung ist die Stimmung gereizt, weil Wowereit abgesagt hat. Am Platz fehlt nun nur noch die US-Botschaft

Matthias Oloew

Mit der feierlichen Eröffnung der Akademie der Künste geht am Sonnabend die skandalträchtigste Geschichte beim Wiederaufbau des Pariser Platzes zu Ende. Aber nur offiziell. Denn hinter den Kulissen wird weiter gerechnet und Geld ausgegeben. Bislang geht der Senat davon aus, dass der Bau rund 56 Millionen Euro gekostet hat, 18 Millionen mehr als veranschlagt. Die Schlussrechnung wird aber erst im Juli vorliegen. Derweil geht der Rechtsstreit mit dem Insolvenzverwalter der Baufirma Pegel und Sohn weiter – voraussichtlich bis 2010.

Pegel und Sohn hatte als Generalunternehmer den Bau übernommen, meldete aber im Laufe des Projekts Insolvenz an. Der Senat fordert nun 20 Millionen Euro zurück, umgekehrt will der Insolvenzverwalter 12 Millionen Euro vom Land Berlin einklagen. Währenddessen steckt der Bund als neuer Träger der Akademie 270000 Euro in das Haus – für Medientechnik. Damit die Eröffnung am Sonnabend vom Fernsehen übertragen werden kann und auch künftig Sendungen hier entstehen, mussten nachträglich Kabel und Steckdosen installiert werden.

Die Feierstunde am Sonnabend soll den Streit um den Neubau überdecken. Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder werden kommen, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hat dagegen überraschend abgesagt. Wie zu hören war, ist Wowereit sauer über die Einladungsliste für den Festakt, auf der viele Namen prominenter Landespolitiker fehlten. Die CDU findet sein Verhalten „stoffelig“.

Gut 15 Jahre nach dem Fall der Mauer ist der Pariser Platz nun so gut wie komplett. Jetzt gibt es noch zwei Baugruben. Die der künftigen US-Botschaft liegt nach Angaben einer Sprecherin im Zeitplan. Bis Ende 2007 soll der Neubau, der 180 Millionen US-Dollar kosten soll, fertig sein. Wann die Poller auf dem Platz errichtet werden, die zur Absicherung geplant sind, wollte sie indes nicht sagen.

Knapp eine Woche im Verzug ist inzwischen die BVG – Bauherrin in der zweiten Grube. Sie baut einen neuen Bahnhof für die U55. Weil im Untergrund zwei Findlinge den eng gesteckten Baufahrplan störten, hatte der Verkehrsbetrieb beim Hotel Adlon angefragt, ob er denn nachts bauen könne. Das Luxushotel bat jedoch, die Nachtruhe nicht zu stören. Jetzt versucht die BVG die Verzögerung aufzuholen, damit zur Fußball-WM im kommenden Jahr der Bahnhof zumindest im Rohbau fertig ist und der Pendelzug mit seinen vier Waggons von hier zum neuen Lehrter Bahnhof fahren kann.

Die Akademie ist die zweite Kultur-Institution, die an den Platz zieht. Die Stiftung Brandenburger Tor ist 2000 in den Nachbau des Hauses des Malers und einstigen Akademie-Präsidenten Max Liebermann gezogen. Am 8. Juni will sie auf dem Platz die Frau des Malers ehren. Im Pflaster soll ein so genannter Stolperstein für Martha Liebermann gelegt werden, die sich 1936, vor ihrer bevorstehenden Deportation ins KZ, das Leben nahm.

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