Aktion "Menschen helfen!" : Der Verein Schutzhülle bittet um Spenden

„Schutzhülle e.V.“ betreut Frauen, die schwere Lebenskrisen überstehen müssen. Jetzt brauchen die Mitarbeiterinnen selbst Hilfe - und hoffen auf Spenden.

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Füreinander da. Die Frauen von „Schutzhülle e. V.“ hoffen wie die Mitarbeiterinnen Hannelore Schiemann (l.) und Sybille Schumann (r. h.) auf einen neuen Brennofen.
Füreinander da. Die Frauen von „Schutzhülle e. V.“ hoffen wie die Mitarbeiterinnen Hannelore Schiemann (l.) und Sybille Schumann...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Martina Schelle gibt Freddie und Finchen den letzten Schliff. Die Elche aus Ton schauen sie freundlich an. Die 55-Jährige aus Altglienicke ist eine von zehn Frauen im Keramikkurs, die mit Händen, Messern und Holzstäben den Ton vor sich bearbeiten. Eine Besucherin ist gekommen, obwohl sie sich verletzt hat. „Wir mögen uns“, sagt sie – das Treffen wollte sie auch mit verbundener Hand nicht missen.

Die Frauen treffen sich immer mittwochs in der Joseph-Schmidt-Musikschule in Adlershof, und sie finden hier etwas, das über die Keramikarbeit hinausgeht: Gesellschaft, Halt und Austausch. In der Musikschule bietet der Verein Schutzhülle von Montag bis Freitag Keramik-, Textil- und Malereikurse an. Rund 140 Frauen treffen sich hier jede Woche. Alle verbindet, dass sie durch Krankheit, Verlust des Partners oder Arbeitslosigkeit oft psychische Probleme und Schwierigkeiten hatten, ins Leben zurückzufinden. Die Arbeit mit dem Ton gebe ihnen das Gefühl, wieder etwas zu schaffen, sagt Geschäftsführerin Hannelore Schiemann. „Und wenn jede vor sich hin arbeitet, dann kommen die Gespräche einfacher ins Fließen“, sagt sie. Gerade stecken die Besucherinnen in den Vorbereitungen für den Weihnachtsbasar, bei dem sie einige ihrer Keramikwerke verkaufen. „Wir sind heilfroh, dass der Ofen durchgehalten hat", sagt Projektkoordinatorin Sybille Schumann. Denn einer der beiden Brennöfen ist kaputtgegangen und konnte nur behelfsmäßig repariert werden. Jetzt hoffen die hauptsächlich ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Frauentreffs, dass sie mit den Spenden der Tagesspiegel-Leser eine professionelle Reparatur bezahlen, wenn nicht gar einen neuen Brennofen kaufen können.

Der Frauentreff hilft aus der Depression heraus

Um den Hals von Finchen, dem Elch, hängt jetzt eine kleine goldene Glocke. Martina Schelle ist im Kurs mittlerweile bekannt für ihre Tierfiguren, die alle einen Namen erhalten. Auch ihre drei Kinder freuen sich, wieder eines der Werke der Mutter zu erhalten. Vor wenigen Jahren noch hatte Martina Schelle eine schwere Depression durchzustehen. „Ich habe mich völlig abgeschottet“, sagt sie. Nach einem Klinikaufenthalt und Therapie war sie langsam so weit, dass sie sich wieder unter Menschen begeben konnte. In der Zeitung las sie von dem Frauentreff – im vierten Jahr kommt sie hierher.

Auf dem Platz neben ihr glasiert Marion Bormann, 59, aus Karlshorst sorgfältig einen Tonlöffel. Sie war früher selbstständige Friseurmeisterin, kann den Beruf jedoch seit einem Darmdurchbruch vor drei Jahren nicht mehr ausüben. „Das fehlt einem schon, wenn man immer Kontakt zu anderen Leute hatte“, sagt sie. „Man muss irgendetwas tun, sonst kriegt man zu Hause ja ’nen Knall.“ Geschäftsführerin Schiemann war 1990 unter den Vereinsgründerinnen, schon zu DDR-Zeiten hatte sie eine Keramik-Gruppe besucht. „Diese Zirkel für sogenannte Volkskunstschaffende waren oft an Betriebe angebunden. Nach der Wende haben wir dann den Verein gegründet.“ Der Fokus auf Frauen, „die alle ihr Päckchen zu tragen haben“, wie es die Besucherinnen ausdrücken, hat sich nach und nach entwickelt. Auch eine Art Nachbarschaftshilfe ergibt sich aus den Gruppen, mit gegenseitiger Unterstützung, privaten Treffen, Telefonaten. Die Frauen zahlen einen Mitgliedsbeitrag von zwölf Euro im Jahr und einen Euro pro besuchtem Kurs. Der Verein mit Hilfen für Menschen mit seelischen Problemen wird von Senat und Bezirksamt unterstützt, doch für einen neuen Ofen reicht das Geld nicht.

Die Gruppe fängt auf

Evelyn Leinburger, 77, aus Adlershof, kommt schon seit über einem Jahrzehnt regelmäßig, trotz der Schmerzen, sie hat Osteoporose. Vor einem halben Jahr ist ihr Mann verstorben, da hat die Gruppe sie aufgefangen. Schon am Abend zuvor wird immer der kleine Rucksack mit den Arbeitsmaterialien gepackt. „Das ist wie eine zweite Familie hier“, sagt sie. Und am Schluss kann sie immer etwas Greifbares mit nach Hause nehmen – wenn die Tonfiguren aus dem Ofen kommen.

Spenden bitte an: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse (BLZ 100 500 00), Konto 250 030 942 - Namen und Anschrift für den Spendenbeleg notieren. BIC: BELADEBE, IBAN: DE43 1005 0000 0250 0309 42

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