Berlin : Alles auf Grün

Die IGA stand auf der Kippe. Doch der Ausstieg lohnt nicht, rechnen die Macher vor und stellen Pläne für ein Empfangsgebäude vor.

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Blumig.
Blumig.

Nein, einen Anruf aus der Finanzverwaltung habe er noch nicht bekommen, sagt Grün-Berlin-Geschäftsführer Chistoph Schmidt. Er verantwortet auch die Internationale Gartenschau (IGA) 2017, und die IGA steht auf der Liste der Vorhaben, die seit Veröffentlichung des Zensus-Berichtes infrage gestellt werden. Der Druck ist groß, denn der Zensus hat Berlin um 180 000 Menschen geschrumpft. Das Land erhält deshalb weniger Geld aus dem Länderfinanzausgleich und muss nun 1,2 Milliarden Euro bis zum Jahr 2015 einsparen.

Dass Schmidt nicht besonders beunruhigt ist, liegt wohl auch daran: Die IGA stand schon mal vor etwa einem Jahr auf der Kippe, weil sie niemand auf dem Flugfeld Tempelhof wollte. Der Rückzug in den strukturschwachen Stadtteil Marzahn rettete das Projekt. Dort gibt es schon die „Gärten der Welt“ – und direkt daneben eine Brache in Landeseigentum, die der Entwicklung harrt. Der wichtigste Trumpf aber ist: Ein Ausstieg aus bestehenden Verträgen hätte Strafzahlungen von drei Millionen Euro zur Folge. Außerdem war ein Teil der knapp zehn Millionen Euro, die das Land Berlin zuschießt, bereits ausgegeben.

Heute, ein Jahr später, könnte der Senat durch eine Notbremsung der Gartenschau noch 2,8 Millionen Euro sparen. Das ist etwa so viel, wie die drohende Strafzahlung kostet. Hinzu kämen aber noch massive Flurschäden in Marzahn-Hellersdorf. Denn dort entstehen Wege und Zufahrten, das Areal wird an die U-Bahn angebunden und der Kienberg erschlossen – und die dazu erforderlichen 40 Millionen Euro zahlt der Bund, der darin eine Maßnahme zur „Strukturförderung“ erkennt. Dieses Geld wäre bei einer Absage verloren.

Kein schlechtes Vorzeichen für die Vorstellung des Siegerentwurfs aus dem Wettbewerb zur Gestaltung eines neuen Empfangsgebäudes für IGA und Gärten der Welt am Blumberger Damm: Ein V-förmiges Gebäude aus Ziegeln mit großflächig aus der Fassade geschnittenen, bodengleichen Fensteröffnungen vom Büro WW+. Dass die Luxemburger Baumeister überhaupt ins Rennen kamen, war einem Zufall und großem Glück zu verdanken: Sie zählten nicht zu den 20 ausgelosten Büros für die Endrunde – und rückten erst nach, weil ein zuvor ausgewähltes Team abgesagt hatte.

Dennoch legten die Männer um Jörg Weber laut Jury-Vorsitzendem Rainer Hascher die überzeugendste Lösung vor, wobei die Funktionalität des Entwurfs für das rund 5,4 Millionen Euro teure und 1800 Quadratmeter große Empfangsgebäude und dessen Anpassung an das Areal den Ausschlag gab.

Durch die beiden in V-Form leicht geöffneten Riegel schaffen die Baumeister viele Räume mit Blick auf die Gartenlandschaft. Die zweite Achse des V liegt etwas erhöht auf der Kuppe und bietet einen weiten Blick über die Anlage. Den können Besucher des Restaurants genießen, das hier entstehen soll und auch größere Reisebus-Gruppen bewirten kann, was der Bezirk im Umfeld der Gärten der Welt bisher vermisst.

Der Bedarf ist laut Grün-Berlin-Chef Schmidt da und wird weiter wachsen: Schon heute besuchen 700 000 Menschen jährlich die Gärten der Welt. Mit der Verdoppelung der Fläche und durch die Gartenausstellung soll deren Zahl auf 1,3 Millionen steigen. Auch Marzahn- Hellersdorfs Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) meldet Bedarf an „für unsere Veranstaltungen, nach der IGA“.

Mit dem Bau des Siegerentwurfes will die Grün Berlin im kommenden Frühjahr beginnen. Die Fertigstellung des Empfangsgebäudes ist für das Frühjahr 2014 vorgesehen. Vor wenigen Wochen legte Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) zusammen mit dem britischen Vize-Botschafter Andrew Noble den Grundstein für den Englischen Garten. Und Stadträtin Witt zufolge sank der Leerstand von Wohnungen auf drei Prozent. Auch Forschungsinstitute melden regen Zuzug in die Quartiere. Es tut sich was, im Schatten der zu DDR-Zeiten errichteten Plattensiedlungen – vielleicht wird aus dem Bezirk sogar noch zu einem Gewinner der Gentrifizierung.

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