Berlin : Alles neu an der Kantstraße

Neben dem Theater des Westens entstehen Hotel, Parkhaus und Passage

Cay Dobberke

Auf dem Filetgrundstück zwischen dem Bahnhof Zoo und dem Theater des Westens in der Kantstraße rollen bald die Bagger: Auf dem bisherigen Parkplatz des Ullrich-Supermarkts beginnt Anfang Januar 2006 der Bau eines Hotels und eines Parkhauses – und eines Restaurants mit dem traditionsreichen Namen „Aschinger am Zoo“. Das kündigte der Grundstückseigentümer Uwe Glien von der Firma Parking Partner jetzt gegenüber dem Tagesspiegel an. Auch ein Stadtplatz und eine Passage entlang dem S-Bahnviadukt gehören zu dem Projekt, das bis März 2007 fertig gestellt werden soll. Die Gesamtkosten schätzt Glien auf 62 Millionen Euro.

Genehmigt ist das Projekt schon seit längerem. Er stehe „in bestem Einvernehmen mit den Verantwortlichen des Bezirks sowie den Nachbarn“, betont der Bauherr. Und tatsächlich findet etwa die Sprecherin des Theaters des Westens, Katja Borch, das Vorhaben könne „bereichernd für unsere Kunden sein“. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) spricht von einer „ordentlichen Nutzungsmischung“ und begrüßt die für den 31. Dezember geplante Schließung des Parkplatzes. Zumal über die bislang „städtebaulich nicht zufriedenstellende Situation“ fast 20 Jahre lang diskutiert worden sei, so Gröhler. Unter anderem waren dort einst ein IC-Hotel der Bahn oder ein Multiplex-Kino vorgesehen.

Das Zwei-Sterne-Hotel mit 249 Zimmern will die Münchener „Motel One“-Gruppe betreiben. Die Zimmerpreise sollen schon bei 49 Euro (ohne Frühstück) beginnen. Dennoch versichert Motel-One-Chef Philippe Weyland, das Haus werde keineswegs billig wirken. Schließlich müsse es nicht zuletzt den Ansprüchen von Geschäftsreisenden genügen. Bisher hat die Hotelgruppe zehn Standorte in Deutschland, darunter auch in Dreilinden und am Kreuzberger Moritzplatz.

Mit dem Aschinger-Restaurant möchte Investor Glien „die Tradition wieder aufleben lassen und an die Historie anknüpfen“. Er hat nicht nur die Rechte am Namen erworben, sondern besitzt auch Hinterlassenschaften der einstigen Lokalkette, darunter alte Fotos und Aktien. Glien möchte das Restaurant allerdings nicht selber führen, sondern es einer Betreibergesellschaft überlassen. Die Tradition von Aschinger reicht bis ins Jahr 1892 zurück: Damals hatten die Brüder August und Carl Aschinger nahe dem Spittelmarkt in Mitte ihre erste „Bierquelle“ eröffnet. Auf der Speisekarte standen vorwiegend Schnellgerichte zu niedrigen Preisen – wie Erbensuppe, Würstchen und belegte Brötchen. Mit diesem Konzept expandierte Aschinger bald in ganz Berlin. Im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Lokale zerstört. Später gab es Neu- und Wiedereröffnungen in Charlottenburg, etwa an der Joachimstaler Straße und am Ku’damm, in Mitte und Neukölln. Die letzten zwei Aschinger-Gaststätten gingen vor fünf Jahren in Konkurs. Mit der Gründerfamilie hatten diese Lokale aber auch nichts mehr zu tun.

Das geplante Parkhaus in der Kantstraße soll 509 Autostellplätze bieten. Zu den Nutzern wird dort auch der Ullrich-Supermarkt gehören, der Parkplätze für seine Kunden reservieren will. Architektonisch soll das Parkhaus in dem Neubau so weit zurückgesetzt werden, dass es für Passanten von außen kaum zu sehen ist – abgesehen von den nötigen Hinweisschildern.

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