Berlin : Allzeit bereit

Werner van Bebber

ordnet Politiker nach Typen Die Berliner Politik hat Realisten und Idealisten hervorgebracht. Willy Brandt war beides. Richard von Weizsäcker sah realistisch, dass zu langes Berlinregieren seiner Berufung zum Bundespräsidenten abträglich sein könnte. Eberhard Diepgen war – man denke an seinen Slogan vom „Unternehmen Berlin“ – ein großer Idealist. Jetzt entwickelt sich ein neuer Typ – der Steher. Klaus Wowereit verkörpert den Typ, der zu allem bereitsteht. Das Bereitstehen ist die Haltung, die man einnimmt, wenn Aufgaben unlösbar erscheinen oder wenn einem keine Lösung einfällt. Stehertum zeigt Wowereit etwa in Hauptstadtfinanzangelegenheiten. Dem Abgeordnetenhaus gab er am gestrigen Donnerstag ein Bespiel für Stehertum in der Länderfusionsfrage. Der Grünen-Abgeordnete Michael Cramer hatte gefragt, ob Wowereit wegen des wahlkampfbegründeten Brandenburger Desinteresses an der Fusion über neue Zeitpläne nachdenke. „Nein!“, beschied ihn Wowereit. Das klang so desinteressiert, dass er eine Bereitstehbekundung folgen ließ. Die bezog den Senat, die rot-rote Koalition, die Berliner ein: Alle stehen zur Fusion bereit. Wie bestellt und nicht abgeholt.

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