Berlin : Als ministrabel galt die Karriere-Juristin in Stuttgart schon lange

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Auf den ersten Blick ist dieser Sprung eher ungewöhnlich: Bis zum 31. März war Gisela Meister-Scheufelen Mitglied des baden-württembergischen Landtags. Seit 1. April fungiert die Christdemokratin als neue Staatssekretärin bei Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner. Auf den zweiten Blick ist es nur konsequent, dass die 43-Jährige promovierte Juristin eine neue politische Chance bekommt und sie auch nutzt. Die gebürtige Stuttgarterin hat nicht nur in bemerkenswert kurzer Zeit in Heidelberg ihr Jura-Examen abgelegt und mit dem Thema "Drittbezogene Amtspflichten bei der staatlichen Aufsicht über Banken und Versicherungen" ihren Doktor gemacht. Mit 31 Jahren wurde sie 1987 auch jüngste beigeordnete Bürgermeisterin des Landes.

Zu ihrem Dezernat in Ludwigsburg gehörten Frauen- und Ausländerfragen und der Fremdenverkehr. Nur vier Jahre später berief sie die Landesregierung zur ersten Präsidentin in der Geschichte des 150 Jahre alten Landesgewerbeamtes, das bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal eine Frau an der Spitze der 18 Referate hatte. Das Thema Frauenförderung blieb für die Präsidentin besonders wichtig. Sie nutzte die neue Plattform aber auch, um sich intensiv um Fragen des Mittelstands zu kümmern - ein Thema, dem sich Gisela Meister-Scheufelen auch nach ihrer Direktwahl in den Landtag 1996 vorrangig widmete. Da das mit gut 11 000 Mark besoldete Amt und das Mandat unvereinbar waren, musste sie mit ihrer Wahl das Landesgewerbeamt verlassen.

Obwohl fachlich respektiert, gelang es der oft herb und ein wenig abweisend wirkenden Abgeordneten allerdings nicht, ins Kabinett von Ministerpräsident Erwin Teufel berufen zu werden. Als ministrabel wurde sie zwar schon 1996 gehandelt, doch ging diese Regierungsbildung ebenso an ihr vorbei wie die Umbildung des Kabinetts im Herbst 1998. Immerhin war die CDU-Frau, die einen Spross der Lenninger Papierfabrik-Dynastie Scheufelen geheiratet und einen kleinen Sohn hat, letzte Woche Gegenstand der Kabinettsberatung. Die Landesregierung stimmte zu, ihr Beamtenverhältnis auf jeden Fall bis zum Ende der Legislaturperiode in Berlin nicht aufzulösen. Schwer zu glauben, dass Gisela Meister-Scheufelen eine solche Rückfahrkarte braucht.

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