Berlin : Alte Bekannte

Sawis, Mahmoud & Co. – die prominentesten jungen Serientäter Berlins und was aus ihnen wurde

Katja Füchsel

Mahmoud, Sawis, Ali, Hussein – unter diesen Namen wurden Berlins berüchtigste junge Serientäter bekannt, und sie werden auch in den kommenden Jahren im Visier der Ermittler bleiben. Seit dem Frühjahr 2003 existiert bei der Berliner Staatsanwaltschaft die Abteilung für jugendliche Intensivtäter, die eng mit der Polizei kooperiert. Insgesamt 469 Serientäter stehen derzeit auf der Strafverfolgerliste – davon sind rund ein Dutzend weiblich. Auf die Liste rückt, wer besonders schwere oder sehr viele Straftaten begangen hat. Gegen rund 1700 Beschuldigte wurde seit 2003 Anklage erhoben (Stand Januar 2007). Rund 80 Prozent der jugendlichen Serientäter sind nicht-deutscher Herkunft: Araber stellen die größte Gruppe, gefolgt von Türken. Rund die Hälfte der Jugendlichen sitzt derzeit im Gefängnis oder in einem geschlossenen Heim. Ein Überblick über die bekanntesten Fälle:

Mahmoud ist gewissermaßen zu verdanken, dass die Berliner Serientäter-Abteilung gegründet wurde, nachdem sein Fall großes Aufsehen erregt hatte. Der heute 24-jährige Spross einer libanesischen Großfamilie ging schon als Kind bei der Polizei ein und aus, seit dem 14. Lebensjahr wurde er mehrfach verurteilt – wegen Körperverletzung, Raubes und Bedrohung. Den Großteil seines bisherigen Lebens hat Mahmoud im Gefängnis verbracht, seit Dezember ist er wieder auf freiem Fuß. Wird das jüngste Urteil gegen ihn rechtskräftig, muss er weitere sieben Monate in Haft. Eine weitere Anklage wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung steht aus. Alle Versuche, Mahmoud abzuschieben, sind bislang gescheitert.

Sawis schlug mit neun Jahren das erste Mal richtig zu – seitdem immer wieder. Gut sechzig Taten warf die Polizei ihm im Alter von 16 vor. Im Frühjahr 2003 wurde der Sohn eines Iraners als „Schulhofschläger von Marienfelde“ bekannt, als er auf einem Pausenhof fünf Lehrer verprügelte. Mit Bewährungsstrafen aber war Sawis nicht beizukommen. Im November 2005 verurteilte eine Jugendkammer den damals 19-Jährigen zu drei Jahren und zwei Monaten Gefängnis. Er hatte in einem Lokal einen Gast verprügelt und einige Wochen später einen 18-Jährigen mit einem Messer bedroht.

Ali verbreitete als Anführer der „Neuköllner Killer Boys“ Schrecken im Kiez. Der 14-jährige Araber soll – teils allein, teils mit Komplizen – in Bussen, U-Bahnhöfen und auf der Straße Jugendliche überfallen und beraubt haben. 50 bis 70 Araber sollen zu den „Killer Boys“ gezählt haben. Im Dezember 2006 verurteilte ihn ein Gericht wegen knapp 30 Überfällen zu vier Jahren und sieben Monaten Jugendhaft. Die Polizei glaubt, dass Ali an etwa 70 Straftaten beteiligt war.

Hussein , Sohn einer libanesischen Familie, stand bislang nicht einmal vor Gericht: Er ist erst 12. Im Mai 2006 schlug er in der Kreuzberger Lemgo-Schule eine Lehrerin nieder. Die 63-jährige Jutta M. musste stationär im Krankenhaus behandelt werden. Der Junge war bei der Polizei bereits wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl und Hehlerei bekannt; auch einige seiner älteren Brüder hatten bereits Ärger mit den Strafverfolgern. Hussein war von mehreren Schulen geflogen, bevor er an die Lemgo-Schule zwangsversetzt wurde. Der 12-Jährige wurde nach dem letzten Vorfall aus seiner Familie genommen und in einem Brandenburger Heim mit intensiver Betreuung untergebracht.

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