Berlin : Am Boden zerstört

Kurz nach Winterbeginn sind die Straßen schon voller Schäden – dabei hat Berlin gerade für 25 Millionen Euro Schlaglöcher beseitigt

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Alte Bekannte. Zu Berlin gehören leider nicht nur die Doppeldeckerbusse und die Yorckbrücken, sondern auch die immer wieder aufbrechenden Löcher in den Straßen. Foto: G. Peters
Alte Bekannte. Zu Berlin gehören leider nicht nur die Doppeldeckerbusse und die Yorckbrücken, sondern auch die immer wieder...Foto: Guenter Peters

Erst Frost, dann Tauwetter und kurz darauf wieder Minusgrade: Wegen des frühen Wintereinbruchs machen Schlaglöcher schon wieder viele Straßen zu Ruckelpisten. Als „heftig bis dramatisch“ bezeichnet Neuköllns Baustadtrat Thomas Bläsing (SPD) die Situation. Tiefbaumäßig sei das Wetter „eine Katastrophe“.

Das Schlaglochbeseitigungs-Sonderprogramm des Senats war hilfreich, darüber ist man sich in den Bezirken einig. Die Fahrbahnen, die daraus grundlegend saniert werden konnten, erweisen sich jetzt als stabil. Doch waren die insgesamt 25 Millionen Euro, die den Bezirken zusätzlich zur Verfügung gestellt wurden, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und durch den unerwartet frühen Winterbeginn konnten noch nicht einmal alle Arbeiten abgeschlossen werden. So ist man etwa in Neukölln fieberhaft bemüht, im Kampf mit dem Wetter noch bestehende Baustellen mit starken Verkehrsbehinderungen in der Hermannstraße, dem Britzer Damm und den Neuköllner Straße abzuschließen. Dort, wo nichts gemacht werden konnte, hat sich beim herbstlichen Dauerregen ausreichend Feuchtigkeit in den Rissen gesammelt. Der anschließende Frost und das danach einsetzende Tauwetter ließen den Asphalt aufplatzen. „Hier blüht es wie im Urwald“, beschreibt Stadtrat Bläsing die Situation.

„Schlechte Straßen sind teure Straßen“, sagt Pankows Ordnungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Dort, wo in diesem Sommer nichts gemacht werden konnte, gibt es schon wieder „Schlaglöcher ohne Ende“. Das betrifft insbesondere Bereiche mit Schwerlastverkehr wie die nicht sanierten Abschnitte von Flora- und Mühlenstraße. Dort, wo es dringend nötig ist, wird „auf Pump“ aus dem Etat des kommenden Jahres repariert.

Eine Spur des Tegeler Weges in Höhe der Schlossbrücke musste am Wochenende wegen größerer Schäden bereits von der Polizei gesperrt werden, so Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf. Schlaglöcher gibt es nicht nur in Hauptstraßen mit BVG- und Schwerlastverkehr, sondern auch in kleinen Wohnstraßen beispielsweise in Westend. Trotz leerer Kassen müssen die Bezirke die Löcher im Rahmen der Gefahrenabwehr stopfen. Bei anhaltend strengem Winter schließt Gröhler aber auch Tempolimits oder Teilsperrungen nicht aus.

In der Torstraße platzt die Fahrbahn in den Bereichen auf, die im vergangenen Sommer nicht saniert werden konnten, so Fachbereichsleiter Thomas Schuster aus Mitte. Weitere Schadensschwerpunkte sind die Seestraße, die Kurfürsten- und die Potsdamer Straße. In den Wintermonaten werden die Schlaglöcher provisorisch mit Kaltasphalt geschlossen. Dort, wo die Schäden gehäuft auftreten, muss mit vorhandenen Mitteln versucht werden, im Frühjahr eine großflächige Instandsetzung vorzunehmen.

Auch in Steglitz-Zehlendorf haben sich die sanierten Straßen als haltbar erwiesen, sagt Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). Probleme gibt es aber in der Kaiser-Wilhelm-Straße in Lankwitz sowie in Lichterfelde in der Goerz- und Gallwitzallee. Auch die bereits in die Investitionsplanung aufgenommene Hildburghauser Straße und der Straßenzug Lorenz- und Mariannenstraße, deren Ausbau bisher ein Streit um die Beitragspflicht und die Notwendigkeit von Radwegen verhinderte, gehören zu den Sorgenkindern. In Friedrichshain-Kreuzberg, wo sich Autofahrer etwa über Aufbrüche in der Yorckstraße ärgerten, gibt es laut Tiefbauamtsleiter Helmut Schulz-Herrmann „ein paar neue Schäden“, die sofort provisorisch geflickt werden. Man sei im übrigen „auf einen längeren Winter“ eingestellt.

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