Berlin : Am Sonntag findet der "Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung " statt

Frank Jansen

Gegen die rechtsradikalen Weißenseer "Vandalen" rufen zahlreiche Gruppen zum Protestmarsch aufFrank Jansen

Unter dem Motto "Vandalen zurück in den Sumpf" will ein breites Bündnis politischer Gruppierungen morgen in Weißensee demonstrieren. Der Protest richtet sich gegen die Neonazi-Gruppe "Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft", deren Klubheim sich in dem Bezirk befindet. Zur Demonstration rufen unter anderem die Berliner PDS, Mitglieder der bündnisgrünen Fraktion im Abgeordnetenhaus und radikal-linke Vereinigungen auf. Die Veranstalter erwarten 2000 Teilnehmer, die um 13 Uhr vom S-Bahnhof Greifswalder Straße aus in Richtung "Vandalen"-Klubheim ziehen sollen.

Die vor 17 Jahren in der DDR gegründete Neonazi-Gruppe veranstaltet in ihrem mit Stacheldraht gesicherten Stützpunkt nicht nur Besäufnisse, sondern auch Treffen mit Rechtsextremisten aus dem In- und Ausland. Ende Juli überprüfte die Polizei im Klubheim ungefähr 80 Gäste der Hochzeitsparty eines frisch verheirateten "Vandalen". Unter den Rechtsextremisten befanden sich mehrere Führungsfiguren der Szene, beispielsweise der Anführer der Berliner Sektion des international aktiven Skinhead-Netzwerks"Blood & Honour". Die "Vandalen" selbst, vom Verfassungsschutz als "Politrockergruppe" klassifiziert, präsentieren als Erkennungszeichen die "Hagal"-Rune, einst Emblem der 6. SS-Gebirgsdivision "Nord". Mitglieder der "Vandalen" spielen in der Rockband "Landser", die für ihre brutalen und rassistischen Texte berüchtigt ist.

Am Sonntag findet auf dem Platz zwischen Roten Rathaus und Neptun-Brunnen der "Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung" statt. An diesem traditionellen "Aktionstag gegen Rassismus und Neonazismus" beteiligen sich zahlreiche linke und antifaschistische Gruppierungen. Die erste Veranstaltung dieser Art organisierten im September 1945 Überlebende der Nazi-Konzentrationslager sowie zurückgekehrte Emigranten. Kommenden Sonntag wird zunächst um 11 Uhr in der Gedenkstätte Plötzensee mit einer Kundgebung "Wider die deutsche Kontinuität" der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Um 12 Uhr startet ein 60minütiger Fahrradkorso. Mehrere Gedenkorte werden angesteuert, Ziel ist der Platz vor dem Roten Rathaus. Von 13 Uhr an treten dort Musikgruppen und Solisten auf. Anderthalb Stunden später beginnt eine Podiumsdiskussion zu der bizarren Frage "Bomben für Menschenrechte?" Um 18 Uhr 30 wird die Internationale Liga für Menschenrechte in einer Kundgebung gegenüber dem Südportal des Reichstags in der Scheidemannstraße ein Mahnmal für die im 3.Reich ermordeten Sinti und Roma fordern.
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