Berlin : An die frische Luft

Christine Lang

Ein warmer Sommer ist der Feind des Partygängers. Bei hohen Temperaturen kann man es auf der Tanzfläche eines Clubs ja nicht länger als eine halbe Stunde aushalten. Danach ist die Kleidung, selbst wenn es ein clubtaugliches Nichts sein sollte, durchnässt. Die Haare kleben am Nacken und die Mascara ist verlaufen. Sommernächte sind ungeeignet, um sich fürs Ausgehen schick zu machen und perfekt auszusehen. Der Sommer gilt in der Clubszene nicht umsonst als Flaute-Zeit, es werden kaum internationale DJ-Größen eingeladen oder große Partys veranstaltet. Erst Mitte September beginnt die neue Partysaison. In der Zwischenzeit fährt man als Clubber entweder in den Urlaub, treibt sich in Freiluftbars herum oder besucht Open-Air-Konzerte, die wiederum, verständlicherweise, Hochsaison haben.

In Berlin kann man sich wahrlich nicht über ein mageres Musikangebot beklagen. Es gibt kaum eine andere Stadt mit ähnlich vielen Open-Air-Bühnen; zu den größten und bekanntesten zählen die Waldbühne, die Kindl-Bühne in der Wuhlheide und seit einigen Jahren auch die zentral gelegene Bühne auf der Museumsinsel.

Auf diesen Bühnen spielen viele zurzeit international tourende Pop- und Rockstars, wobei das Programm an den nächsten beiden Wochenenden eher von deutschen Bands bestimmt wird. Sowohl 2raumwohnung als auch Wir sind Helden spielen hier und werden für ausverkaufte Ränge sorgen. Schließlich sind die beiden Bands die Aushängeschilder der so genannten neuen mainstreamkompatiblen deutschsprachigen Popmusik, auf die sich alle 14- bis 35-Jährigen irgendwie einigen können. Beide Bands haben mit ihrem Erfolg dazu beigetragen, dass die deutsche Plattenindustrie den Markt mit Nachahmerbands (von Juli bis Silbermond) überhäufte und mit erneuten Forderungen nach einer Deutsch-Quote im Radio nervte. Dafür können die beiden Bands aber nichts. Zwar zählen beide nicht unbedingt zur musikalischen Avantgarde – insbesondere Wir sind Helden klingt wie ein Best-of der Pop- und Rockgeschichte, bleiben dabei aber grundsympathisch. Man muss eben nur die richtigen Anleihen bei den richtigen Bands (die Helden beispielsweise bei den Pixies) nehmen. Etwas anderes haben Oasis eigentlich auch nie gemacht.

Jedenfalls habe ich mich überzeugen lassen, mir diese Band einmal live anzuschauen. Und ich hoffe, dass das Beste an dem Konzert nicht das frische Lüftchen sein wird, das einem bei Open-Air-Veranstaltungen an Sommerabenden um die Nase weht.

So, 28.08., 18 Uhr 30: 2raumwohnung, Heather Nova, Mia, Valentine. Bühne Museumsinsel, Bodestr. 1-3. Eintritt ab 33,40 Euro. Karten: www.berlin.de/tickets

Sa, 03.09., 18 Uhr: Wir sind Helden, Nada Surf, Turin Brakes. Kindl-Bühne Wuhlheide, An der Wuhlheide 187, Eintritt ab 23 Euro. Weitere Informationen: www.wuhlheide.de

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben