Berlin : Andy da Vinci

Zeitgenössische Bilder der Gottesmutter – von Warhol und anderen: Bischof Huber eröffnete eine Ausstellung in der Marienkirche

Anna Bilger

SONNTAGS UM ZEHN

Eine gut bekannte, aber dennoch ungewöhnliche Kirche. Auf dem Alexanderplatz schmiegt sich die Marienkirche an den Fuß des Fernsehturms. Es ist die zweitälteste Pfarrkirche Berlins und die einzige mittelalterliche, in der noch heute Gottesdienste stattfinden. Auch ungewöhnlich: die vielen Marienbildnisse und Ikonographien, die den Besucher in dem evangelischen Gotteshaus empfangen.

St. Marien ist die Predigtkirche des Bischofs Wolfgang Huber, der die Gemeinde gestern zu einem ökumenischen Festgottesdienst begrüßte. Gefeiert wird die Eröffnung einer ungewöhnlichen Ausstellung in der Kapelle: „Ave Maria“ zeigt zeitgenössische Verkündigungs-Darstellungen. „Eigentlich klingt Ave Maria eher katholisch“, sagt Huber im Anschluss an den Gottesdienst. Es sei aber „gemein-christlich“. Es bezeichnet den Gruß der Verkündigungsengel an Maria. Gerade weil die Figur Marias in beiden Konfessionen unterschiedlich verehrt wird, freut sich Wolfgang Huber über die Ausstellung. Angesichts des bevorstehenden ökumenischen Kirchentages sei es wichtig, „angeregt zu werden, Maria mehr Aufmerksamkeit zu schenken“. Dafür sorgen 20 Werke von zwölf Künstlerinnen und Künstlern, die in ganz unterschiedlichen Techniken gearbeitet wurden. Siebdruck, Fotografie, Öl oder gar eine Choreographie – gemeinsam ist allen Arbeiten, dass sie sich explizit auf berühmte Verkündigungs-Gemälde beziehen.

Der bekannteste Vertreter zeitgenössischer Kunst in der Schau ist Andy Warhol, dessen „Details of Renaissance Paintings“ von 1984 sich auf Leonardo da Vincis Tafelbild „Annunciazione“ bezieht. Andere Werke entstanden aktuell für die Ausstellung. Dennoch sind auch diese Werke keine Auftragsarbeiten. Die Künstler sollten christliche Inhalte frei aufgreifen. Heraus kam zum Beispiel das Objekt der Berliner Künstlerin Svenja Hehner. Ihr mit einem traditionellen Verkündigungsbild bedrucktes Kästchen steht auf einem Sockel. Wird der Deckel geöffnet, blickt der Betrachter in den dunklen Sockel-Schacht: Symbol für das Geheimnisvolle und Unendliche der Verkündigung.

„Ave Maria“ ist vom 4. Mai bis zum 15. Juni, täglich von 10-18 Uhr in der Marienkirche auf dem Alexanderplatz zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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