Berlin : Angst vor Terroranschlägen: Postalarm im Kanzleramt

wie[rau],I.B.[rau],weso[rau]

Eine verdächtige Postsendung hat am Montag einen Gift-Alarm im Bundeskanzleramt ausgelöst. Mitarbeiter in der Poststelle hatten gegen Mittag ein weißes Pulver unbekannter Herkunft entdeckt, wie ein Sprecher des Kanzleramts mitteilte. Das verdächtige Pulver wurde am Abend noch im Robert-Koch-Institut untersucht. In den USA waren in den vergangenen Tagen bei Medienunternehmen in Florida und New York Briefe eingegangen, die ein weißes Pulver enthielten, das mit dem Erreger des Bio-Gifts Anthrax infiziert war.

Zum Thema Online Spezial: Kampf gegen Terror
Schwerpunkt: US-Gegenschlag, Nato und Bündnisfall
Schwerpunkt: Osama Bin Laden
Schwerpunkt: Afghanistan
Schwerpunkt: Islam & Fundamentalismus
Schwerpunkt: Innere Sicherheit
Chronologie: Terroranschläge in den USA und die Folgen
Fotostrecke: Bilder des US-Gegenschlags Zwei Mitarbeiter in der Postverteilstelle hatten beim Öffnen der eingehenden Postsendungen ein verdächtiges weißes Pulver entdeckt, das "aus einem der Briefe herausrieselte", erklärte ein Sprecher des Kanzleramtes. Das Bundeskanzleramt habe daraufhin die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen veranlasst. Bisher ist unklar, ob es sich um einen Anschlag handelt oder das Pulver ungefährlich sei. Die beiden Mitarbeiter, die mit dem Pulver in Berührung gekommen sind, zeigten bisher keine Krankheitssymptome. Seit gestern morgen müssen die Angestellten der Poststelle bei der Arbeit Latex-Handschuhe tragen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) untersucht die verdächtige Substanz nicht nur auf gefährliche Inhaltsstoffe wie den Milzbranderreger, sondern umfassend, sagte eine Sprecherin des RKI. Wann mit einem verlässlichen Ergebnis gerechnet werden könne, darüber konnte sie gestern keine Auskunft geben. In den bisherigen mehr als zehn Fällen von Briefsendungen mit verdächtigem Inhalt in Berlin konnte das RKI bisher keinen Anthrax-Verdacht bestätigen. Für die gestiegene Zahl der Untersuchungen seien Mediziner von anderen Fachbereiche abgezogen worden, sagte die Sprecherin. Am vergangenen Mittwoch hatte ein im Parkhaus des Möbelhauses Höffner in Wedding gefundener Brief Großalarm ausgelöst. In dem Umschlag war ein Papiertaschentuch.

In den Bundesministerien, die alle eigene Poststellen haben, werden die eingehenden Sendungen genau überprüft. Welche Methoden das sind, darüber machen die Ministerien unterschiedliche Angaben, viele verweigern jegliche Stellungnahme, um Attentätern oder Trittbrettfahrern keine Anhaltspunkte zu liefern. Das Finanzministerium lässt Briefe stichprobenartig untersuchen, unter anderem werden sie durchleuchtet. Im Justizministerium, wo die Post täglich lastwagenweise eingeht, überprüft man nach Angaben eines Sprechers alle Sendungen, unter anderem mit Röntgenstrahlen. "Unsere Poststelle verfügt auch über einen abgesonderten Bereich, in dem verdächtige Sendungen entsorgt werden können, zum Beispiel auch gesprengt", so der Sprecher. Auch im Bundeskanzleramt wird die Post unter anderem routinemäßig geröntgt.

Seit den ersten Briefsendungen mit Anthrax-Erregern in den USA hat auch die Deutsche Post ihre Kontrollen verschärft. "Die Mitarbeiter sind entsprechend sensibilisiert, und wir stehen in ständigem Kontakt mit den zuständigen Behörden, vor allem Feuerwehr und Polizei", erklärte Sylvia Blesing, Sprecherin der Post. Zu konkreten Vorkehrungen und Kontrollen schweigt sie. "Wir wollen nicht noch mehr Trittbrettfahrer animieren." In den vier Berliner Briefzentren werden täglich mehrere Millionen Brief- und Paketsendungen bearbeitet. In ganz Deutschland sind es durchschnittlich 17 Millionen Briefe und zwei Millionen Paketsendungen täglich. "Es gab bundesweit mehrere Verdachtsfälle, die sich alle nicht bestätigt haben", sagte Sylvia Blesing.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben