Anhalter Bahnhof : Berggruens Bilder

von
Anhalter Bahnhof

Ein weitläufiges Gelände ist die Berliner Museumswelt, und nicht ganz ungefährlich. Hier eine Tretmine, dort eine Baustelle; hier im tosenden Großstadt- und Touristenstrom eine Insel mit Nofretete, dort eine Oase der Ruhe mit Holbeins und Cranachs und Rembrandts; hier ein Masterplan zur Neuordnung der Sammlungen, dort der Untergang des Abendlandes, der sicher kommt, wenn die Gemäldegalerie für die Meisterwerke des 20. Jahrhunderts freigeräumt wird und die Alten Meister nach Mitte umziehen. So wird es in Kampagnen einiger Zeitungen aus südlichen Bundesländern behauptet. Die größere Frage ist, was aus den Dahlemer außereuropäischen Sammlungen wird – ob das alles so klappt mit dem Humboldtforum.

Doch halt! Schauen wir einmal ins glückliche Charlottendorf. Ganz Berlin ist von tückischen Kuratoren und Museumsdirektoren besetzt, nur dort nicht. Dort, vis-à-vis dem schönen Schloss, das wir ja schon haben, wird in der nächsten Woche das Museum Berggruen wiedereröffnet. Und das ist zur Abwechslung eine wunderbare Geschichte. Nur ein Dreivierteljahr Verspätung beim Erweiterungsbau, das tut wirklich nicht weh. Das Architekturbüro Kühn Malvezzi hat die Präsentationsfläche für die Bilder des 2007 verstorbenen Kunsthändlers und Sammlers Heinz Berggruen auf insgesamt 1000 Quadratmeter gebracht. Picasso, Matisse, Klee, mehr als 160 Werke insgesamt, umfasst dieser Schatz der Klassischen Moderne. Man kann sich vorstellen, was in Charlottenburg dort los sein wird bei den Tagen der offenen Tür am 16. und 17. März.

Für rund 250 Millionen Mark haben der Bund und das Land Berlin Heinz Berggruen seine Bilder abgekauft. Man kann das so schnöde sagen, denn es war ein Geschäft, ein sehr gutes, und zwar für beide Seiten. Für die Öffentlichkeit, das wissen wir heute, war es ein Schnäppchen. Zwischendurch schien sich die Geschichte einzutrüben. Eine Buchautorin giftete über einen Berggruen-Kult in Berlin und das Businessgeschick des Mannes, der einst seine Heimatstadt verlassen musste, weil er Jude war. Der viele Jahre später, nach der Wende, wiederkam und gern und zu Recht gefeiert wurde. Und dann gibt es einen Sohn, Nicolas Berggruen, so eine Art Finanzhai oder Großinvestor, der wird auch gern in dieser Geschichte erwähnt. Hat aber nichts direkt damit zu tun, dass der Öffentlichkeit nun zum zweiten Mal die wunderbaren Berggruen-Bilder übergeben werden.

Auch wenn es in dieser Stadt eigentlich nicht geht: Jetzt könnte man sich einfach mal freuen. Rüdiger Schaper

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