Anhalter Bahnhof : Berliner Performance

von
Anhalter Bahnhof

Im Roten Rathaus gab’s am Mittwochabend eine Diskussion zur Frage „Brauchen wir eine neue Kulturpolitik?“ Auf dem Podium herzten und beharkten sich, wie man es nimmt, Annemie Vanackere, die neue Leiterin des Hebbel am Ufer, Barrie Koskie, der neue Intendant der Komischen Oper, Martin Roth, neuer Direktor des Victoria & Albert Museums London, und André Schmitz, Berlins Kulturstaatssekretär. Eingeladen hatte die Hertie School of Governance, und die Antwort lautet: ja!

Ja, wir brauchen neue Kulturpolitik! Man kann davon gar nicht genug bekommen – in einer Stadt, die von Kultur und Tourismus und ihren kreativen Szenen und Zellen lebt. Die einen ungeahnten Bevölkerungszuwachs registriert. „Wir leben in einer Boomtown“, so formuliert es der Berliner SPD-Vorsitzende Jan Stöß. Vielleicht wird er mal Regierender Bürgermeister.

Der amtierende Regierende ist bekanntlich auch Kultursenator. Das hat mit der begrenzten Zahl der Posten im Senat zu tun, aber auch mit der Bedeutung der Kultur für Berlin. Und eigentlich auch mit Klaus Wowereits Neigung und Interesse. Nun kann man nicht allem und jedem zugeneigt sein in einer so reichhaltigen, wandlungsreichen Landschaft. Nicht jede Bühne, jede Galerie, jedes Orchester, jede Tanzperformance ist gleich wichtig. Aber in der Masse und Klasse, die sich daraus ergibt, eben doch: Nirgendwo auf der Welt ist Kultur so zugänglich und erschwinglich wie in Berlin. Dieser öffentliche Raum will verteidigt sein.

Alles gut? Nein, nie. Damit es bleibt, wie es stets im Werden ist, muss viel getan werden, immer mehr. Shermin Langhoff wurde aus Wien zurückgeholt, sie wird das Gorki-Theater neu gestalten. Lange weg sind die Dirigenten Thielemann, Metzmacher, Nagano. Warum zeigt man Berlin das Rückgrat? Ist das hier Metropole oder doch nur Zufall? Wieso muss es dahin kommen, dass Sasha Waltz, eine international begehrte, vom Publikum geliebte Choreografin, sich gezwungen sieht, die Stadt zu verlassen? Im vergangenen Jahr kämpfte das Grips-Theater ums Überleben, eine Berliner Institution, weltberühmt. Jetzt Waltz. Wieder bockt die Politik. Zeigt Verständnis, aber … So bitter: Prophet im eigenen Land Berlin zu sein, ist keine Perspektive. Rüdiger Schaper

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