Anliegerproteste : Aus für Großbordell

Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg lehnt das umstrittene Bordell-Projekt im Wegert-Haus ab. Stadtrat Krömer begründete die Entscheidung mit unzumutbaren Störungen für die umliegenden Wohngebiete.

Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat gestern offiziell die Ablehnung des Bauantrages für das umstrittene Laufbordell an der Kurfürstenstraße bekannt gegeben. Der Anwalt der potentiellen Betreiber kündigte an, man werde Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Die Pressekonferenz im Rathaus Schöneberg fand mit kurioser Begleitung statt. Vor dem Raum verteilte eine junge Frau anonyme Flugblätter, in denen die Vorzüge des geplanten Laufhauses gegenüber dem Straßenstrich gepriesen wurden. Sie gab an, für eine Hostessenagentur zu arbeiten. Den Auftraggeber selbst kenne sie nicht. Drinnen sah sich Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) veranlasst, eines der Flugblätter vor den Kameras zu zerreißen. Anwalt und Architektin der Antragsteller saßen mit Genehmigung von Krömer ebenfalls im Raum, wurden vom Stadtrat aber mit einem Redeverbot belegt.

Im ehemaligen Wegert-Haus an der Ecke Potsdamer, - Kurfürstenstraße sollen auf vier Etagen 50 Zimmer entstehen, die Prostituierte günstig mieten können. „Wie ein Studentenwohnheim" beschrieb Architektin Birgit Jürgens den geplanten Umbau. Vorgesehen war laut Antrag ein Betrieb von 11 bis 6 Uhr.

Stadtrat Krömer begründete die Ablehnung mit einer Klausel in der Baunutzungsverordnung. Zwar befinde sich das Gebäude in einem Kerngebiet, wo „nicht wesentlich störende" Gewerbebetriebe und Vergnügungsstätten zulässig sind. Doch würden nach eindeutiger Rechtssprechung von bordellartigen Betrieben „unzumutbaren Störungen" für die umliegenden Wohngebiete, Schulen und Kitas ausgehen. Wie berichtet, hatten die Pläne zu Anliegerprotesten geführt.

Einen solchen Betrieb kann sich der Stadtrat deshalb nur in Gewerbegebieten fernab von Wohnungen vorstellen. Der zunehmend aggressive Billig-Straßenstrich werde damit ohnehin nicht beseitigt, so Krömer. Hier handele es sich um eine ganz andere Kategorie von Freiern und meist osteuropäische Prostituierte. Nach Darstellung der Antragsteller ist das umstrittene Großbordell hingegen gerade für die jetzt auf der Straße tätigen Prostituierten gedacht. Ihr Anwalt Leander J. Gast sprach von einer „politischen Entscheidung" des Bezirksamtes, die rechtlich nicht haltbar sei. Er setzt sich nun dafür ein, dass der Widerspruch von der vorgesetzten Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bearbeitet wird.

Indessen will der Bezirk verstärkt gegen den Straßenstrich im Kiez vorgehen. Krömer will den aufenthaltsrechtlichen Status der Prostituierten überprüfen lassen und ordnungsrechtlich gegen „Geschlechtsverkehr auf öffentlichem Straßenland" einschreiten. Ferner sollen Einbahnstraßen den Suchverkehr motorisierter Freier einschränken. du -

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