Anmeldezahlen für die Oberschulen : Das waren Berlins begehrteste Schulen 2015

Die Anmeldezahlen für die weiterführenden öffentlichen Schulen zeigen, was Eltern wichtig ist. Sekundarschulen ohne Oberstufe haben es schwer. Unbeliebte Standorte sollen nun sogar Räume abgeben.

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Alles so schön gleich: Die CDU sieht die SPD auf dem Weg zur "Einheitsschule".
Alles so schön gleich: Die CDU sieht die SPD auf dem Weg zur "Einheitsschule".Foto: dpa

Der Trend bleibt: Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe haben es vielerorts schwer, genügend Anmeldungen zu bekommen. Dies belegen die neuen Zahlen für das Schuljahr 2015/16, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Unter den zehn am meisten nachgefragten öffentlichen Sekundarschulen der Stadt befindet sich nur eine einzige, die Caspar-David-Friedrich-Schule, die bis Klasse 10 führt: Alle anderen bieten den Weg bis zum Abitur.

Grafik: Tsp/Bartel

Insgesamt verteilen sich die Erstwünsche ähnlich wie in den Vorjahren auf Gymnasien und Sekundarschulen: 55,5 Prozent der Siebtklässler wurden an einer Integrierten Sekundarschule angemeldet, rund 44,5 Prozent an den Gymnasien. Die Nachfrage nach Gymnasien ist damit gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Wenn man berücksichtigt, dass mehr als fünf Prozent der Schüler schon nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium wechseln, ergibt sich, dass ungefähr gleich viele Schüler die Gymnasien und die Sekundarschulen besuchen.

Grafik: Tsp/Bartel

Spannend wird es jetzt für die Kinder, die sich an einer übernachgefragten Schule angemeldet haben: An 75 Schulen – 39 Sekundarschulen und 36 Gymnasien – muss gelost werden. Wer kein Glück hat, wird dann an weniger nachgefragte Schulen überwiesen. Erst am 22. Mai übersenden die Bezirke alle Bescheide. Wer das Glück hat, dass an seiner Erstwunschschule kein Losverfahren nötig ist, wird das aber vielerorts auch schon vor dem 22. Mai erfahren können.

Teils erhebliche Überkapazitäten in Friedrichshain-Kreuzberg

An Kapazitäten mangelt es nicht: Noch sind 2125 Plätze frei. Allerdings sind darunter viele Schulen, die über keine gymnasiale Oberstufe verfügen. Besonders dramatisch ist die Lage in Friedrichshain-Kreuzberg: Die einzigen beiden Sekundarschulen, die übernachgefragt sind, haben eine Oberstufe. Alle anderen haben zum Teil dramatische Überkapazitäten. „An drei Standorten erwägen wir Zwischennutzungen“, berichtet Bildungsstadtrat Peter Beckers (SPD). Die betreffenden Schulen will er aber noch nicht nennen, da sie davon noch nicht wissen. Keine Zwischennutzung befürchten muss die Schule mit der geringsten Nachfrage im Bezirk: Die Schule im Gräfekiez hat nur 16 Anmeldungen. Da sie aber noch Baustelle ist, ist dort nicht daran zu denken, dass „Untermieter“ hinzugezogen werden. Viele freie Kapazitäten haben auch die Hector-Petersen-, Lina-Morgenstern-, Emanuel-Lasker- und die Ferdinand-Freiligrath-Schule.

Besser entwickelt hat sich die Nachfrage an der Refik-Veseli-Schule an der Skalitzer Straße: Sie hat kürzlich eine gymnasiale Oberstufe bewilligt bekommen, was einige Eltern offenbar überzeugt hat: Die Schule hat dieses Jahr 66 Anmeldungen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat den angesehenen ehemaligen Leiter der Sophie-Scholl-Schule, Klaus Brunswicker, beauftragt, Lösungsansätze für das Problem der gemiedenen Sekundarschulen ohne gymnasiale Oberstufe zu entwickeln.

2000 Schulbewerber mehr als im Vorjahr

Insgesamt bewarben sich 22 500 Schüler an den öffentlichen Gymnasien und Integrierten Sekundarschulen. Das waren rund 2000 Schüler mehr als im Vorjahr. Zum Teil geht dieser Anstieg auf die Flüchtlinge zurück. An den Standorten der besonders begehrten Gymnasien überstieg die Nachfrage die Anzahl der Plätze um 20 Prozent, an den übernachgefragten ISS sogar um 47 Prozent. Darin spiegelt sich vor allem die große Beliebtheit einiger Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe: Viele Eltern wollen, dass ihre Kinder 13 Jahre zum Abitur Zeit haben, während die Gymnasien in zwölf Jahren zur Hochschulreife führen. Zudem haben die Gymnasien eine Probezeit, was Eltern mitunter davon abhält, ihre Kinder dort anzumelden.

„Die Schulwahl zeigt auch in diesem Jahr, dass die Schullandschaft auf zwei hoch akzeptierten Säulen steht: dem Gymnasium und der Integrierten Sekundarschule“, kommentierte Scheeres die Zahlen. In jedem Bezirk gebe es besonders nachgefragte weiterführende Schulen.

Charlottenburg-Wilmersdorf hat besonders viele frei Plätze

Besonders viele freie Plätze gibt es an den Gymnasien im geburtenschwachen Charlottenburg-Wilmersdorf. Wie berichtet, ist es der Walther-Rathenau-Schule immerhin gelungen, Anmeldungen für zwei Klassen zu bekommen. An der Herder- und Wegscheider-Schule reicht es nur für je eine Klasse, aber dafür haben sie zusätzlich Schüler, die ab der fünften Klassen hochwachsen.

Es sollen keine Standorte geschlossen werden, weil die Schülerzahlen in den nächsten Jahren wachsen: Die Bildungsverwaltung hat aus ihrer Erfahrung gelernt, dass es problematisch ist, Schulstandorte aufzugeben: Wenn sie erstmal beim Liegenschaftsfonds sind, ist es schwer, sie zurückzubekommen.

Probleme mit einer geringen Nachfrage gibt es auch an einigen Stadtrandschulen. Nur sieben Anmeldungen hatte 2014 die Schule am Staakener Kleeblatt. Dieses Jahr wurden es nur wenig mehr. Dennoch soll der Standort erhalten bleiben, zumal andere Sekundarschulen in der Region völlig überlaufen sind. Dies gilt insbesondere für die Martin-Buber-Schule im Falkenhagener Feld.

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