Arche-Buch : Was Kinder wünschen

Bernd Siggelkow, Gründer der Suppenküche Arche, legt sein drittes Buch vor. Er fordert, dass mehr in Kinder und ihre Bildung investiert werden müsse, da es sonst zu einer sozialen Katastrophe komme.

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Zweites Zuhause. In der Hellersdorfer Arche erhalten Kinder aus armen Familien neben warmen Mahlzeiten auch Hilfe bei den...Foto: Oliver Wolff

Bernd Siggelkow, der Gründer der „Arche“, ist nicht nur Pastor und bundesweit bekannter Kämpfer gegen Kinderarmut, sondern auch Bestsellerautor. Zusammen mit Wolfgang Büscher hat er die viel beachteten Bücher „Deutschlands vergessene Kinder“ und „Deutschlands sexuelle Tragödie“ geschrieben. Im dritten will er nun positive Perspektiven aufzeigen: „Deutschlands große Chance“ mit dem Untertitel „Was sich unsere Kinder wünschen und warum wir sie unbedingt ernst nehmen müssen“. Das Vorwort stammt von Florian Langenscheidt, der mit seinem Hilfswerk „Children for a better World“ die „Arche“ unterstützt.

Die Idee des Buchs geht auf Anstöße von Kindern zurück, die in der „Arche“ betreut werden. Siggelkow ist der Auffassung, dass es spätestens 2020 zu einer sozialen Katastrophe kommt, „wenn weiter vor allem die sogenannte soziale Unterschicht für Nachwuchs sorgt“. Deshalb müsse jetzt in die Kinder und ihre Bildung investiert werden. Das Buch ist auf dem Gedanken aufgebaut, dass Kinder 1. den Wunsch haben, willkommen zu sein, 2. Zeit und Zuneigung, 3. Förderung und Forderung und 4. Perspektiven brauchen. Die Autoren haben diese Erkenntnisse zu programmatischen Forderungen verdichtet und illustrieren sie mit kurzen Porträts, die nach Gesprächen mit Kindern entstanden sind. Im Mittelpunkt dieser Porträts stehen meist desolate Familiengeschichten, überforderte Eltern, Gewalt, Drogen, Krankheit und Armut.

Doch es gibt auch positive Beispiele, die Chancen aufzeigen sollen. Die 15-jährige Marie lebt bei ihrer Mutter, die selbst die Schule abgebrochen hatte, sich zunächst als Hilfsarbeiterin durchschlug und nun von Hartz IV lebt. Marie wurde mit sechs Jahren von ihrem Stiefvater misshandelt, galt als verhaltensauffällig, drohte auf der Hauptschule zu scheitern. Die Wende trat ein, als sie mit 14 nach endlosen Bewerbungen ein Praktikum in einem Sportgeschäft ergatterte, dabei positiv auffiel und nun mit der Aussicht auf eine Lehrstelle motiviert auf den Hauptschulabschluss zugeht.

Siggelkow betonte seine schon öfter geäußerte Auffassung, der Hartz-IV-Grundbetrag reiche nicht aus, um Kinder vollwertig zu ernähren und ihnen angemessene Bildungschancen zu eröffnen. Er schlägt deshalb eine Grundsicherung für Kinder vor, die notfalls von den Bezügen der Eltern abgezogen werden soll, falls diese das Geld nicht zweckbezogen einsetzen. „Kinder brauchen ein Umfeld, in dem nicht der tägliche Existenzkampf im Mittelpunkt steht“, heißt es im Buch. (bm)

- Bernd Siggelkow / Wolfgang Büscher: Deutschlands große Chance. Gerth, 14,95 Euro

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