Berlin : Asbestalarm bei Umbau in Waldorfschule

Eltern halfen ungeschützt: Jetzt ermittelt die Kripo

Rainer W. During

In der Eugen-Kolisko-Schule für Waldorfpädagogik in Kladow findet seit gestern wieder Unterricht statt. Die im Umbau befindlichen Nachbarräume bleiben jedoch gesperrt. Eltern hatten hier offenbar monatelang bei freiwilligen Arbeitseinsätzen ungeschützt auch asbesthaltige Verkleidungen zerschlagen. Jetzt prüft die Kripo, ob Verantwortliche die Gefahr kannten. „Nach dem, was wir gehört haben, stehen einem die Haare zu Berge“, sagte der Sprecher des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (LAGetSi), Robert Rath. Eltern hätten ohne Schutzkleidung die Wände mit Spitzhacken eingerissen.

„Betreten der Baustelle erwünscht – Eltern schuften für ihre Kinder“ heißt es auf der Webseite der Schule. Bereits an den ersten vier Samstagen hätten 74 Eltern 405 Arbeitsstunden geleistet. „Im Erdgeschoss sind schon fast alle der dafür vorgesehenen Wände abgerissen“, heißt es. Und weiter: „Die Ärzte haben viel zu tun an den Folgen des körperlichen Einsatzes, wie Hexenschuss etc.“ Jetzt kann nicht ausgeschlossen werden, dass Helfer krebserregende Fasern eingeatmet haben. Mögliche Folgen machen sich erst in vielen Jahren bemerkbar, so Robert Rath.

Auch Schüler eines Oberstufenzentrums sollen auf der Baustelle gearbeitet und Elektroleitungen verlegt haben. Unklar ist bisher, ob Verantwortliche vom Vorhandensein asbesthaltiger Materialien in dem Gebäude auf dem Gelände des Krankenhauses Havelhöhe gewusst haben. Die Kripo ermittelt wegen des Verdachts des unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen. Denn Hinweise auf diese Baustoffe finden sich im Schadstoffkataster. Tatsächlich sind Teile des Schutts laut LAGetSi von der Schule ordnungsgemäß als Sondermüll deklariert und entsorgt worden. Geklärt werden muss jetzt, ob eine Warnung der Helfer bewusst unterblieben ist oder bei der Gemeinschaftsaktion einfach nur sorglos gehandelt wurde.

Schulgeschäftsführer und Vorstandsmitglied des Trägervereins, Thomas Dittmer, will sich unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht detailliert äußern. Er spricht von einem „Verdachtsfall“. Eltern hätten auf eine asbesthaltige Platte verwiesen, die aus dem Keller stammen soll. Daraufhin habe man den Unterricht in den Nachbarräumen bereits vor dem behördlichen Einschreiten gestoppt. Das LAGetSi dehnte die Sperrung auf eine weitere Etage aus. Für die Klassenzimmer wurde gestern Entwarnung gegeben. Die Auswertung der Messungen ergab keine Asbestfasern in Luft oder Staub. Das sage aber nur etwas über den aktuellen Zustand aus, erklärte Robert Rath. Eine mögliche Kontamination könnte durch normale Lüftung und Reinigung der Räume beseitigt worden sein.

Die Umbauarbeiten dürfen jetzt nur bei hermetischer Abschottung der Baustelle fortgesetzt werden. Dabei ist Schutzkleidung mit Atemschutzmaske zu tragen, zum Feierabend müssen die Arbeiter eine Dekontaminierungsschleuse passieren. Dies könnten eigentlich nur Fachfirmen, sagt LAGetSi-Sprecher Rath.

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