Berlin : Asmen

Frank Jansen

Der Abend begann trüb. Der drinking man und ein compañero wollten die ehemalige Rabenbar nahe der Kottbusser Brücke in Kreuzberg aufsuchen. Der Betreiber hatte das Lokal in „White Russian“ umbenannt. Nach dem Druck auf den Klingelknopf öffnete eine jüngere Dame, die aber keinen Einlass gewährte. Die Bar müsse aufgeben, sagte sie, es sei leider vorbei. Am Tresen waren zwei Männer zu sehen, die auch eher unfröhlich wirkten. Vermutlich stand ein trauriges Restetrinken bevor.

Die nächsten Bars finden sich etwas entfernt in der Oranienstraße. Zum Beispiel das „Asmen“. Hier hängen schwere, dunkelrote Vorhänge, die Wände sind blutrot gestrichen und auf den schwarzen Holztischen flackern kleine Windlichter. Der Holztresen wirkt rau, der eiserne footrail genauso. Man erwartet, dass Dracula Arm in Arm mit einem depressiven Cowboy auftaucht, doch es kam nur der kleine, aber enorm muskulöse Kellner. Auf die Frage nach der Bedeutung des Namens Asmen meinte er trocken, „das heißt auf Persisch Himmelsgewölbe“. Das hier wahrscheinlich als Sonnenuntergang mit nur noch geringem Restlichtfaktor interpretiert wird. Rätselhaft, dieser Iran.

Die ersten Cocktails erhöhten noch den Fragebedarf. Warum mussten Gin Tai und Raffles Singapore Sling so extrem süß sein? Und wieso kam der Gin Tai im Whiskyglas? Aus dem Himmelsgewölbe kamen keine Antworten. Aber die Musik plätscherte angenehm ruhig. Also bestellten drinking man und compañero noch zwei Drinks. Und wurden überrascht. Der Mai Tai war genau richtig: Stark, erfrischend, aber nicht übertrieben süß. Und der Mojito schmeckte, als sei er direkt von Cuba ins persische Kreuzberggewölbe gebeamt worden. So endete der Abend gottlob untrüb. Dem Himmel sei Dank.

Asmen, Oranienstraße 170, Kreuzberg, Tel.: 817 97 308, täglich ab 19 Uhr

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