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Attacke in Kreuzberg : Angriff auf Linken-Politiker Hakan Taş

Hakan Taş ist offenbar aus politischen Gründen angegriffen und verletzt worden - nicht die erste Attacke gegen das Mitglied des Abgeordnetenhauses.

Hakan Tas von der Linksfraktion.
Hakan Tas von der Linksfraktion.Foto: Promo

Der Berliner Landespolitiker Hakan Tas (Linke) ist nach eigenen Angaben von einem Unbekannten angegriffen und durch einen Schlag am Kopf verletzt worden. Er habe am Montag in Kreuzberg eine Platzwunde davongetragen, die ärztlich versorgt worden sei, sagte Tas dem Tagesspiegel. Er habe Anzeige erstattet. Dies allerdings erst mit Verzögerung, weil Beamte von einer Wache im Abgeordnetenhaus sich für nicht zuständig erklärt hätten. Daraufhin habe er seine Anzeige online gestellt.

Die Polizei konnte den Vorfall zunächst weder bestätigen noch dementieren. Ihr liege dazu keine Information vor, sagte eine Sprecherin.

Tas sitzt seit 2011 im Berliner Abgeordnetenhaus und beschäftigt sich vor allem mit den Themen Inneres und Integration. Er wurde in der Türkei geboren und lebt seit fast 40 Jahren in Berlin. Er war am Montag auf dem Weg zum Kulturausschuss, dem er als Abgeordneter angehört. Wegen der blutenden Wunde habe er dann aber stattdessen nach dem Überfall einen Arzt aufgesucht und sich an die Polizei gewandt. Tas vermutet einen türkischen Nationalisten hinter der Tat.

„Er nannte mich einen Vaterlandsverräter“

„Er beschimpfte mich auf Türkisch, nannte mich einen Vaterlandsverräter“, sagt er. Der Mann habe ihn mit der Faust am Kopf getroffen, dann sei er geflüchtet. „Ich bin vorsichtig, werde mich aber in meiner politischen Arbeit nicht einschüchtern lassen“, sagte Tas, der nach eigenen Angaben schon einige Male attackiert, aber noch nie derart verletzt wurde. Er hatte mehrfach antidemokratische Bestrebungen in der Türkei angeprangert und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kritisiert.

„Ich werde schon länger von Rechtsextremen sowie türkischen Nationalisten und Islamisten bedroht“, sagte Tas am Montag. Zudem werde er, der offen seine Homosexualität lebt, aus jenen Kreisen vor allem im Internet immer wieder auch als „Schwuchtel“ beschimpft.

Und er bestätigte, dass immer noch gilt, was er dem Tagesspiegel im Mai dieses Jahres erzählt hatte. Damals berichtete er auch, dass im Herbst 2016 der Objektschutz für seine Wohnung und deren Umfeld eingestellt worden war. Das Landeskriminalamt hatte seine Gefährdungslage neu eingestuft. Bis dahin hatten Polizisten drei Jahre lang regelmäßig den Hausflur kontrolliert, die Wohnungstür geprüft, die Tiefgarage inspiziert und nach Tas’ Auto geschaut. Sie hatten auch die Reifen überprüft - zwei Mal wurden Tas’ Reifen aufgeschlitzt.

Die Polizei nimmt keine Stellung zu Details, wenn es um den Schutz bedrohter Menschen wie Tas geht, hieß es damals in dem Bericht. Es ist deshalb nicht klar, warum sie den Objektschutz aufgegeben hat. Auch er, sagt Tas, habe keine klare Auskunft bekommen.

Der Angriff vom Montag sei der dritte gegen ihn in diesem Jahr, sagt Tas. Bisher seien alle Verfahren gegen mögliche Täter wieder eingestellt worden.

An diesem Dienstag wollte Tas eigentlich nach Istanbul fliegen, um als internationaler Prozessbeobachter einem Verfahren gegen Oppositionspolitiker beizuwohnen. Nach dem Angriff vom Montag sei er aber nicht sicher, ob er das schaffe.

(mit dpa)

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