Berlin : Atteste abgelaufen

Die Justiz lässt die Ex-Aubis-Manager nicht ziehen: Beide müssen jetzt wieder zum Gutachter

Katja Füchsel

Depressionen, Angstzustände, totale Erschöpfung – zu diesem Ergebnis kamen die medizinischen Gutachten, die den beiden ehemaligen Aubis-Managern den Weg in die Straffreiheit ebneten. Doch rund ein Jahr, nachdem der Prozess gegen Klaus Wienhold und Christian Neuling aus Krankheitsgründen geplatzt ist, könnte es für die Schlüsselfiguren des Berliner Bankenskandals jetzt noch einmal eng werden: Die 57 und 63 Jahre alten Geschäftsmänner müssen sich erneut auf ihre Verhandlungsfähigkeit untersuchen lassen. „Die Erstellung der neuen Sachverständigengutachten steht unmittelbar bevor“, sagt Justizsprecherin Iris Berger.

Die Justiz hat noch einige Rechnungen offen mit Neuling, Wienhold und ihrer gemeinsamen Immobilienfirma Aubis. Da ist zunächst einmal der sogenannte Aubis-Prozess: Zwei Jahre lang hatte die 19. Strafkammer im Moabiter Kriminalgericht bereits über Betrug verhandelt, um überhöhte Heizpreise und einen mutmaßlichen Millionenschwindel zulasten der Banktochter Berlin Hyp – bis sich im März 2006 erst Wienhold krankmeldete, im Mai 2006 dann auch Neuling, und der Prozess platzte.

Der Gedanke, dass die beiden gescheiterten Geschäftsmänner von nun an ihre Zeit in ihren Feriendomizilen am Tegernsee und an der Ostsee genießen konnten, stieß vielen bitter auf. Selbst Berlins Regierender Bürgermeister meldete sich zu Wort, nannte die vorläufige Einstellung des Aubis-Prozesses „enttäuschend“ und „unbefriedigend“. Klaus Wowereit (SPD) warnte vor einem „Versanden des Verfahrens“ und forderte, dass der Prozess gegen die Aubis-Manager sobald wie möglich neu aufgerollt werde. „Das ist auch eine Frage der politischen Hygiene“, sagte Wowereit.

Sollte Wienhold wieder gesundgeschrieben werden, dürfte der Aubis-Prozess zumindest für ihn bald in die zweite Runde gehen. Bei Neuling kamen erhebliche Zweifel an seinem Leiden auf, als der 63-Jährige im vergangenen September zum Berlin-Marathon antrat und den Lauf in einer ansehnlichen Zeit absolvierte. Drei Gutachten ließ sich die 26. Strafkammer nach diesem Fitnesstest vorlegen, bevor sie den unter Depressionen leidenden Geschäftsmann Mitte Dezember 2006 von der Anklagebank entließ und auch dieses Verfahren gegen Neuling – es geht um Steuerhinterziehung – einstellte, zumindest vorläufig. Jetzt will „die 26.“ Neuling erneut zu Hans-Ludwig Kröber, einem der angesehendsten Gerichtsgutachter Deutschlands, schicken. „Es wurde eine Frist bis zum 31. Mai gesetzt“, sagt die Justizsprecherin.

Die Mühlen der Justiz mögen langsam mahlen, im Fall Wienhold und Neuling tun sie es aber hartnäckig. Mit ihrer Immobilienfirma Aubis begann 2001 der größte Finanzskandal der Berliner Nachkriegsgeschichte. Mit Hilfe der Berlin Hyp hatte Aubis in den 90er Jahren in Ostdeutschland Plattenbauten gekauft. Mit den riskanten Milliardenkrediten und einer 40 000-Mark-Barspende an die Berliner CDU hatte Aubis 2001 eine Krise in der großen Koalition ausgelöst, die zu Neuwahlen und einem Regierungswechsel führte.

Seitdem wird über die beiden Exmanager und ihr riskantes Geschäftsgebaren bei der juristischen Aufarbeitung des Bankenskandals oft schlecht geredet in den Berliner Gerichtssälen. Als es im Bankenprozess gegen Klaus Landowsky und zwölf weitere Bankmanager um die Milliardenkredite an Aubis ging, waren die Manager nur als Zeugen geladen – schwiegen aber lieber. Mitte März hatte das Landgericht dann Landowsky und drei ehemalige Vorstände der Berlin Hyp wegen Untreue zu Bewährungsstrafen verurteilt. Neuling ist bis heute straffrei geblieben. Wienhold konnten die Strafverfolger bislang nur nachweisen, dass er seine Mieter durch falsche Betriebskostenabrechnungen betrogen hatte: Er wurde deshalb 2005 zu einer Geldstrafe von 50 000 Euro verurteilt. Fortsetzung folgt.

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