Berlin : Auch für den Privatmann Clinton gilt Sicherheitsstufe 1

Dutzende Berliner Polizisten und Bodyguards schützen den Ex-Präsidenten – doch er will zu seinen Fans auf der Straße sprechen

Lars von Törne

Fans von Bill Clinton, die keine der begehrten Einlasskarten für seine heutige Signierstunde ergattert haben, können noch hoffen: Der frühere US-Präsident will vielleicht vor oder nach der Autogrammrunde bei Dussmann zu seinen Anhängern sprechen, die es nicht ins Kulturkaufhaus hineingeschafft haben. Das verlautete am Sonnabend aus Clintons Umfeld. Genaueres war gestern aus Sicherheitsgründen nicht zu erfahren.

Die Vorbereitungen für den Besuch des prominenten Autors würden einem Staatsgast alle Ehre machen. Experten vom Bundeskriminalamt haben sein Hotelzimmer untersucht, der amerikanische Geheimdienst Secret Service hat die Fernsehstudios inspiziert, in denen er interviewt wird. Und Dutzende von Berliner Polizisten sowie eine Hand voll aus Amerika eingeflogener Bodyguards werden das Kaufhaus Dussmann absichern, wenn er heute ab 18.40 Uhr dort seine Autobiografie „Mein Leben“ signiert. Für Clinton gilt Sicherheitsstufe 1, ist aus seinem Umfeld zu hören. Die ist sonst hochrangigen Politikern vorbehalten.

Schon seit Tagen bereiten Sicherheitsbehörden und Veranstalter jedes Detail dieses Termins vor. So wurde jeder Clinton-Fan, der am Donnerstag eine Einlasskarte für die Signierstunde ergatterte – nach Angaben von Dussmann einige Hundert – von der Polizei auf eine mögliche kriminelle Vergangenheit überprüft. Wer eine Einlasskarte hat, bekommt auf jeden Fall sein Autogramm, versichert Dussmann-Sprecherin Anne Laxy. Knapp zwei Stunden hat Clinton Zeit, bevor er mit seiner Kolonne ins Fernsehstudio von Sabine Christiansen weiterfahren muss. Wer keine Karte für die Signierstunde hat, wird übrigens auf keinen Fall ins Dussmann-Gebäude hineingelassen – kann aber auf den möglichen Auftritt Clintons in der Friedrichstraße hoffen.

Exakt geplant ist auch die Erfrischung des Ex-Präsidenten: Im streng abgeschirmten Autogrammraum bei Dussmann werden für Clinton Sandwiches, Obst und sein Lieblingsgetränk bereitgestellt: Cola Light. Die wird er auch in seinem Hotel vorfinden, dem Interconti. Das wurde 1998 extra für den damaligen Präsidenten umgebaut. Mit viel Beton und Panzerglas wurde damals die „Präsidentensuite“ in das sicherste Hotelzimmer der Stadt verwandelt.

Gestern war Clinton in Hamburg eingetroffen. Dort absolvierte er ein paar Medientermine, bevor er am Abend nach Berlin weiterflog. Was er hier neben Interviews und der Autogrammstunde unternehmen wird, ist – wie fast alles bei dem Besuch – streng geheim. Eine Einladung hat er immerhin schon: Hans Nübel, Mitinhaber des Restaurants Gugelhof in Prenzlauer Berg, würde den prominenten Gast gerne erneut bei sich bewirten. Vor vier Jahren hatte Clinton spontan in Nübels Gaststube am Kollwitzplatz vorbeigeschaut. Er aß Spargel, das elsässische Sauerkrautgericht Choucroute und deutsche Wurst, erinnert sich Nübel. Statt Cola Light gab’s damals noch kalorienhaltigere Getränke: Zwei Pils trank Clinton.

Für den Berliner Econ-Verlag, der Clintons Wälzer in Deutschland herausgegeben hat, dürfte sich der Berlin-Besuch finanziell sehr lohnen. Die erste deutschsprachige Auflage der Clinton-Biografie „Mein Leben“ in Höhe von 150 000 Exemplaren ist vom Buchhandel bereits komplett vorbestellt worden. „Eine Bestellung in dieser Höhe hat es in Deutschland nach meinem Wissen noch nicht gegeben“, sagte Claus Carlsberg vom Econ-Verlag. Obwohl bislang keine genauen Zahlen vorliegen, seien bereits am Donnerstag, dem Erstverkaufstag, „tausende Exemplare“ über die Ladentische gegangen. Er gehe davon aus, dass die Zahlen nach Bill Clintons Deutschlandbesuch weiter steigen. Unklar blieb am Wochenende, ob indirekt auch der Steuerzahler seinen Teil zu Clintons Werbekampagne beiträgt: Wer die Polizisten bezahlt, die ihn schützen, konnten am Sonnabend weder die Polizei noch Dussmann beantworten.

Wie beliebt der frühere Präsident bis heute ist, hatte sich schon am Donnerstag gezeigt. Rund 800 Menschen standen da bei Dussmann Schlange für die bundesweit einzige Signierstunde des ehemaligen Präsidenten. Dussmann–Sprecherin Laxy schwärmte: „Wie bei der MoMAAusstellung.“

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