Berlin : Auch im Frauenknast wird für Union gefiebert

Inhaftierte schenken dem Verein zwei Stühle und hoffen auf den Sieg

Lothar Heinke

Die Einladung der Senatsverwaltung für Justiz fiel diesmal aus dem Rahmen der üblichen Faxe oder edel gestylten Hochglanzkartons: „Die Justizvollzugsanstalt für Frauen hält für den 1. FC Union ein nachträgliches Ostergeschenk bereit. Inhaftierte Frauen haben zwei Stühle farblich im Union-Outfit gestaltet und werden diese sehenswerten Unikate persönlich den Herren Steffen Baumgart und Thomas Sobotzik überreichen.“ Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für den Unions-lastigen Berichterstatter: Damenknast, Union-Kicker höchstselbst und dann noch eine gute Tat für die moralische Aufrüstung eines Vereins, der das gerade jetzt bitter nötig hat – also, nischt wie hin.

An dem hellen Gebäude in der Lichtenberger Alfredstraße erzählt eine Tafel vom Schicksal dieses Hauses, das seit Jahrzehnten dazu bestimmt ist, straffällig gewordene und verurteilte Frauen zu beherbergen, zuletzt bis 1990 als „Stasi-Knast“. Im 2. Stock ist ein hoher Raum, sparsam möbliert mit zwei Klavieren für Kirche und Kultur. Hier stehen die Stühle, der eine in den Union-Farben rot-weiß gestreift mit Bärchen, der andere mit einer lackierten Collage aus Union-Fotos und -Bildern, von mehreren Frauen in ihrer Freizeit gestaltet. Cimen, die für dreieinhalb Jahre hier zu wohnen verurteilt ist, sagt ebenso wie Brit, dass ihnen die Arbeit Spaß gemacht habe und dass die beiden Unioner, die schon eifrig Autogramme schreiben, sehr nette Männer seien. Es gäbe manchen Union-Fan hier, auch bei den Bediensteten, man verfolgt abends vor dem Fernseher bei RBB Unions Überlebenskampf, „Hauptsache ist jetzt“, sagt Cimen, „dass jeder auch für uns spielt – und gewinnt.“ Da ist sich Steffen Baumgart, der stürmende Kapitän, ziemlich sicher. Ein genaues Ergebnis für das nächste Spiel am Sonntag gegen Nürnberg möchte er nicht vorhersagen, aber „ich denke, wir gewinnen“ – und nach einer kleinen Pause: „Das sage ich aber jedes Mal.“

Der Anstaltschef Matthias Blümel vergleicht kenntnisreich die historisch verbürgte Moral von „Eisern Union“ mit dem Leben hinter den Gittern: „Die Unioner haben oft genug bewiesen, dass sie nicht aufgeben und immer wieder aufstehen – das hat Ähnlichkeit mit dem Vollzug. Wir stehen vor einem Scherbenhaufen, aber stehen immer wieder auf, mit eisernem Willen.“ An die Wand haben sie ein Plakat gehängt: „Eisern vor, noch ein Tor. Bitte!“

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