Berlin : Auch im Westen holte die PDS mehr als fünf Prozent

Wo die Parteien besonders gut abschnitten: Die FDP kam in Dahlem-Dorf auf über 30 Prozent. Die SPD war in Friedrichshain-Kreuzberg stark

Benjamin Hammer[Stefan Jacobs],Marc Neller

Bei der Bundestagswahl gab es weniger Briefwähler und mehr ungültige Stimmen als vor vier Jahren. Bei jüngeren Wählern in der Hauptstadt war die Wahlbeteiligung unterdurchschnittlich. Das geht aus den Daten des Landeswahlleiters hervor.

Die Wahlbeteiligung. Mit 77,4 Prozent lag die Wahlbeteiligung etwas unter dem bundesweiten Schnitt von 77,7 Prozent. Das könnte Berlin sogar ein Mandat gekostet haben: Trotz der zwölf Wahlkreise ziehen nur zehn Abgeordnete über ihre Landeslisten ins Parlament. Auch diesmal gingen mehr Frauen (78,1) als Männer (76,1) zur Wahl – und nur 70 Prozent der 18- bis 20-Jährigen. Überdurchschnittlich hoch war die Wahlbeteiligung wie schon 2002 in Steglitz-Zehlendorf (83,6 Prozent). Besonders gering war die Wahlbeteiligung einmal mehr in Marzahn-Hellersdorf – mit 73,5 Prozent.

Die Hochburgen der Parteien. Die SPD holte ihr bestes Ergebnis in Friedrichshain-Kreuzberg mit 37,4 Prozent der Zweitstimmen, das schwächste in Steglitz-Zehlendorf: 30,4 Prozent. Die CDU erreichte in Reinickendorf mit 32,7 Prozent ihr bestes Ergebnis, ihr schlechtestes in Friedrichshain-Kreuzberg: 11,1 Prozent. Die Linkspartei war mit 35,6 Prozent in Lichtenberg am stärksten und mit 5,3 Prozent in Steglitz-Zehlendorf am schwächsten. Die Grünen schnitten in keinem Bezirk so gut ab wie in Friedrichshain-Kreuzberg, wo sie 32,7 Prozent holten. Dagegen reichte es in Marzahn-Hellersdorf nur zu 5,2 Prozent. Die FDP erzielte in Steglitz-Zehlendorf mit 12,9 Prozent ihr bestes Ergebnis, kam aber in Friedrichshain-Kreuzberg nur auf 4,5 Prozent. (Die Angaben sind auf die Bezirke bezogen, die Wahlkreise sind zum Teil anders geschnitten.)

Die Hochburgen innerhalb der Bezirke. Das stadtweit beste Zweitstimmenergebnis einer Partei erzielte die Linkspartei.PDS mit 57,3 Prozent in einem Wahllokal im Köpenicker Ortsteil Oberspree. Dort konnte die neu formierte Linke im Vergleich zur vergangenen Wahl nochmals 4,3 Prozent zulegen.

Die Sozialdemokraten erzielten ihr bestes Ergebnis in einem Wahllokal am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Hier stimmten 52,6 Prozent für die SPD. In der Gegend wohnen viele türkischstämmige Wähler. Könnte sein, dass sich für die SPD hier die Nominierung von Ahmet Iyidirli ausgezahlt hat. Die Partei legte in diesem Stimmbezirk im Vergleich zu 2002 um 6,3 Prozentpunkte zu.

Eine ähnliche Tendenz kann sich die CDU dieses Mal in ihrem stärksten Stimmbezirk nur wünschen. In Schmargendorf-Süden (Charlottenburg-Wilmersdorf), kam die Union auf 48,7 Prozent – 4,5 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl vor drei Jahren.

Den Grünen erging es in ihrem besten Stimmbezirk ähnlich wie den Christdemokraten. Zwar kam die Partei im Viertel um den Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg auf beachtliche 42 Prozent. Allerdings hatte sie dort 2002 noch fast acht Prozentpunkte mehr.

Die FDP vermochte in Steglitz-Zehlendorf besonders viele Wähler zu überzeugen: 31,2 Prozent aus dem Stimmbezirk rund um den U-Bahnhof Dahlem-Dorf an der Königin-Luise-Straße wählten die Freidemokraten. Ein sensationelles Ergebnis, wenn man zudem bedenkt, dass die Partei hier ihr Ergebnis der vergangenen Wahl mehr als verdoppelte.

Die NPD spielte bei dieser Wahl zwar berlinweit keine Rolle. In einigen Gegenden fuhren die Neonazis allerdings hohe Ergebnisse ein: Die meisten NPD-Wähler gab es in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick. Dort stimmten in neun Wahllokalen über acht Prozent der Wähler für die NPD. Mit 11,4 Prozent bekamen die Rechtsextremen die meisten Stimmen in Oberschöneweide, nahe der Parteizentrale der NPD.

Die höchsten Gewinne im Vergleich zu 2002. Auch in dieser Kategorie kann die Linkspartei.PDS punkten. Sie hat gleich in drei Stimmbezirken in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg ihre Ergebnisse von 2002 mit hohen zweistelligen Zuwächsen verbessert. In einem Marzahn-Hellersdorfer Stimmbezirk gewann die Partei fast 20 Prozentpunkte hinzu. Überraschend auch der Zuwachs von 12,9 Prozentpunkten in einem Kiez am S-Bahnhof Sonnenallee in Neukölln – einer Gegend, in der die Partei bisher nichts zu bestellen hatte.

Die größten Stimmverluste im Vergleich zu 2002. Es gehört zu den Kuriositäten dieser Wahl, dass die Grünen in einer Gegend, in der sie mit 41,1 Prozent ihr zweitbestes Ergebnis einfuhren, gleichzeitig ihre größten Einbußen verbuchen: In dem Pankower Stimmbezirk verloren die Grünen mehr als dreizehn Prozentpunkte gegenüber 2002.

Ungültige Stimmen. Der Anteil der ungültigen Stimmzettel nimmt stetig zu: 36704 Erst- und 31617 abgegebene Zweitstimmen waren ungültig. Das entspricht Anteilen von 1,9 bzw. 1,7 Prozent. Bei der Wahl vor drei Jahren waren 24183 und 1998 nur 22558 abgegebene Zweitstimmen ungültig. Im Ostteil der Stadt lag die Quote bei 1,7 Prozent ungültiger Erststimmen, in West-Berlin bei 2,1 Prozent.

Soziales Umfeld. Die Wahlstatistiker haben zwar bisher nicht die Wählerbewegungen erfasst. Allerdings haben sie festgestellt, dass die Linkspartei im Westen überdurchschnittlich viele Wähler zwischen 18 und 49 Jahren überzeugte. Im Osten ist es genau umgekehrt: Dort haben die Sozialisten vor allem in Vierteln gut gepunktet, in denen viele ältere Menschen leben. Zur Klientel der Grünen gehören dieses Mal bevorzugt Wähler ab 25 bis etwa 50 Jahren. Die Anteile jüngerer Wähler im Westen war auch bei der SPD überdurchschnittlich. FDP und Union bekamen ihre Stimmen vor allem im Westen und vor allem von Wählern über 50 Jahren.

Beste Direktkandidaten. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz ist mit 46,9 Prozent Erststimmen im Bezirk Spandau/Charlottenburg-Nord der erfolgreichste aller Berliner Direktkandidaten. Der Kandidat, der mit dem größten Abstand gewonnen hat, ist der Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele. Er ließ den Zweitplatzierten mit 22,4 Prozentpunkten hinter sich.

Briefwähler. Rund 416000 Wahlberechtigte gaben ihre Stimme per Briefwahl ab – 22 Prozent aller Wähler, ein Rückgang um 1,6 Punkte. Dabei war der Anteil der Briefwähler im Westen der Stadt mit 23,5 Prozent höher als im Osten mit 19,9 Prozent. An der Spitze lag der Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf mit 27,4 Prozent, an letzter Stelle Marzahn-Hellersdorf mit 17,2 Prozent.

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