Berlin : Auf der Rutsche in die Hauptstadt

Gleich drei Bundesministerien werden jetzt ausgebaut. Mehr Platz, als das Bonn-Berlin-Gesetz zulässt

Matthias Oloew

Der Bund schafft in seinen Ministerien in Berlin mehr Platz. Das Umweltministerium bekommt nahe des Potsdamer Platzes einen neuen Dienstsitz, das Verbraucherschutzministerium an der Wilhelmstraße einen großen Anbau. Und beim Gesundheitsministerium an der Mohrenstraße sind die Bauarbeiten für einen Anbau schon in Gang. Alle drei Ministerien haben offiziell ihren ersten Dienstsitz in Bonn. Dass der neuerliche Bauboom mit dem so genannten Rutschbahneffekt zusammenhängt, der dazu führen könnte, die Ministerien in Berlin zu stärken, dementieren Sprecher der einzelnen Ressorts. Tatsache ist aber: Im neuen Umweltministerium entstehen gut 100 Arbeitsplätze mehr, als das Bonn-Berlin-Gesetz vorsieht.

Gleich zwei Mal greifen Bundesminister in dieser Woche zum Spaten. Am heutigen Montag gibt Umweltminister Jürgen Trittin das Zeichen zum Baubeginn für sein Haus. Am Mittwoch folgt seine Partei- und Kabinettskollegin Renate Künast. Trittin, der mit seinem Berliner Dienstsitz derzeit in einem gemieteten Bürogebäude am Alexanderplatz untergebracht ist, erhält an der Stresemannstraße einen Neubau für 47,8 Millionen Euro. Die Pläne dazu stammen vom Architekturbüro Geier Maass Pleuser. Sie sehen einen Anbau an das ehemalige preußische Landwirtschaftsministerium vor, in direkter Nähe zum Leipziger und Potsdamer Platz.

305 Arbeitsplätze sieht der neue Standort für das Trittin-Ministerium vor, die sowohl im Alt- als auch im Neubau untergebracht werden. Nach dem Bonn-Berlin-Gesetz dürften es jedoch nur 203 sein. So viele Mitarbeiter, nämlich 25 Prozent, sieht das Gesetz für den Berliner Dienstsitz des Umweltministeriums vor. „Wir brauchen aber mehr Arbeitsplätze für Praktikanten und Kollegen, die nicht ständig hier sind“, erklärte ein Ministeriumssprecher gegenüber dem Tagesspiegel. Aus Ministeriumskreisen heißt es aber, zumindest die politischen Abteilungen beider Häuser sollen in Berlin konzentriert werden.

Dass der Trittin-Neubau so groß ausfällt, liege am Zuschnitt der Ministerressorts, wie er nach der letzten Bundestagswahl entstanden war, heißt es dazu aus dem Bundesbauamt. „An dieser Stelle sollte das Gesundheitsministerium entstehen“, sagt Behördensprecher Andreas Kübler. Weil das aber 2002 mit dem Sozialministerium verbunden wurde, zog das Gesundheitsressort in den Bau an der Mohrenstraße in Mitte. Und für Trittin war nach jahrelanger Suche endlich ein Platz gefunden.

Das Gesundheitsministerium selbst bekommt jetzt einen Anbau nach den Plänen des verstorbenen Josef Paul Kleihues für 24,7 Millionen Euro. Die Baukosten für den 92 Meter langen Büroriegel, den das Künast-Ministerium erhält, belaufen sich auf 23,7 Millionen Euro. Weitere 11,3 Millionen Euro kostet die Sanierung der ehemaligen Musikschule Hanns Eisler, in die unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit und eine Cafeteria des Verbraucherschutzministeriums einziehen wird. Insgesamt steckt der Bund über 100 Millionen Euro in die drei Häuser.

Die Pläne für den Anbau des Verbraucherschutzministeriums stammen vom Berliner Büro Anderhalten Architekten. Sie sehen einen Komplex mit einer Fassade aus anthrazitfarbenen Natursteinplatten vor, der sich deutlich vom neobarocken Altbau des Ministeriums an der Wilhelmstraße abhebt.

Mit dem Neubau, der in drei Jahren fertig sein soll, entsteht auch die Flucht der künftigen Französischen Straße. Beschlossen ist zwar offiziell noch nicht, dass die Straße bis zur Wilhelmstraße verlängert wird, aber Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat erklärt, das Projekt jetzt in Angriff zu nehmen. Das hat schon jetzt Kritik des Koalitionspartners Linkspartei/PDS eingebracht. Mit dem Ministeriums-Anbau werden in jedem Fall weitere Voraussetzungen für den Weiterbau der Französischen Straße geschaffen. Damit erhielte die Innenstadt eine weitere Ost-West-Verbindung, denn auf der anderen Seite der Wilhelmstraße wird derzeit die Hannah- Arendt-Straße fertiggestellt. Sie verbindet die Ebert- und die Wilhelmstraße.

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