Berlin : Auf der Suche nach Ambrosia

Ein-Euro-Jobber roden allergenes Kraut in Kreuzberg

Rita Nikolo

Wer unter Heuschnupfen leidet, hat einen neuen Feind, der sich in Berlin immer stärker ausbreitet: Ambrosia heißt das Kraut, das mit dem stärksten aller bekannten Pollenallergene ausgestattet ist, und vor allem an Straßenrändern wächst oder auf leerstehenden Grundstücken, in Grünanlagen und an Bahngleisen.

Jetzt rücken in mehreren Bezirken Ein-Euro-Jobber der Pflanze zu Leibe: Gestern morgen entfernte ein 20-Mann-Team bündelweise Pflanzen, die auf einer Brachfläche in der Kreuzberger Wrangelstraße gewachsen waren. Seit dem vergangenen Jahr kämpft der Beschäftigungs- und Bildungsträger Meco in Friedrichshain-Kreuzberg gegen die Ausbreitung von Ambrosia. Die Ein-Euro-Jobber suchen nach dem Kraut, das für den Laien nicht leicht zu erkennen ist, weil es anderen Pflanzen stark ähnelt: Zum Beispiel dem Gemeinen Beifuß oder dem Weißen Gänsefuß.Vor ihrem Einsatz wurden die Teilnehmer deshalb im Botanischen Garten geschult. „Ein Grundinteresse an Pflanzen sollten die Ein-Euro-Jobber schon haben“, sagt Projektleiterin Martina Bohnen. Mittlerweile haben auch andere Bezirke den Bildungsträger damit beauftragt, Ambrosia aufzuspüren und zu roden: Die Ein-Euro-Jobber sind seit kurzem auch in Neukölln aktiv, Mitte Juli kommen dann Pankow und Steglitz-Zehlendorf dazu.

Von wissenschaftlicher Seite wird das Engagement der Meco begrüßt: Thomas Dümmel, Meteorologe an der FU nennt die Aktion eine „sehr, sehr gute Maßnahme“. Darüber hinaus seien aber auch Gartenbesitzer gefordert, nach Ambrosia zu suchen. Und nur möglichst reines Vogelfutter zu kaufen – denn Billigfutter bestehe oft zu einem Drittel aus Ambrosiasamen. Da die Pflänzchen momentan nur 20 bis 30 Zentimeter hoch sind, ist es schwer, Ambrosia aufzuspüren. Die Standorte von Ambrosia zu orten ist für Martina Bohnen ein wichtiger Aspekt des Projekts. In einigen Wochen könne sogar eine Karte erstellt werden.

Allergiker reagieren auf das „Beifußblättriges Traubenkraut“ mit tränenden Augen, Lichtempfindlichkeit und Heuschnupfen. Bei empfindlichen Menschen kann die aus Nordamerika stammende Pflanze außerdem Angstzustände und Asthma auslösen. Die Senatsgesundheitsverwaltung ruft deshalb in einer Mitteilung dazu auf, Ambrosia jetzt auszureißen – vor Beginn der Pollenproduktion Ende Juli.Rita Nikolow

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