Berlin : Auf die Autobahn gerannt: 17-Jährige starb

Junge Berlinerin war im A-10-Center in der Disco. Später lief sie mit ausgebreiteten Armen in einen Kleinlaster

Jörn Hasselmann

Wollte Irina den Kleinlaster anhalten? Oder wollte sie sich das Leben nehmen? Die Polizei rätselt, was ein 17-jähriges Mädchen nachts um 3 Uhr auf der Autobahn zu suchen hatte. Mit ausgebreiteten Armen sprang das Mädchen zwischen den Anschlussstellen Niederlehme und Königs Wusterhausen vor einen Kleinlaster. Dessen moldawischer Fahrer hatte in der Kurve keine Chance mehr zum Bremsen oder Ausweichen. Irina H. war sofort tot.

Die Jugendliche hatte sich in der Discothek „The New World“ im A-10-Center bei Wildau von ihren beiden Freunden getrennt und alleine die Großdisco verlassen. Der Berliner Ring verläuft nur 100 Meter entfernt, da jedoch zwei hohe Wildzäune die Autobahn abschirmen, muss das Mädchen vermutlich von einer Brücke hinab auf die Fahrbahn geklettert sein, hieß es bei der Polizei in Königs Wusterhausen. Nach Hause wäre sie als Tramperin von hier nicht gekommen: Das Mädchen wurde auf der Richtungsfahrbahn nach Potsdam erfasst, Irina stammt jedoch wie der 20-jährige Nico S. und die ebenfalls 17-jährige Sandra N. aus Marzahn. Vermutlich habe Irina schlicht nicht mehr gewusst, wo sie war, meinte ein Beamter. Möglicherweise sei sie vor den Laster getorkelt oder gestolpert. Eine Blutprobe soll klären, ob und wie stark betrunken die Jugendliche war und ob sie Drogen genommen hatte. Die Disco wirbt auf ihrer Internetseite: „Jeden Freitag für die Ladies die ganze Nacht Champus frei“.

Die Brandenburger Polizei kündigte an, die Disco jetzt zu überprüfen, da Jugendliche laut Gesetz nur bis Mitternacht dort tanzen dürfen. Da Irinas beide Begleiter nach der Todesnachricht einen Schock erlitten hatten, konnte die Polizei sie bisher nur kurz und ohne großes Ergebnis befragen. Hinweise auf einen Selbstmord hatten die beiden ebenfalls aus Marzahn stammenden Freunde nicht. Nico und Sandra hatten Irina ein oder zwei Stunden vermisst und sie schließlich gesucht. Gegen 3 Uhr sahen die beiden auf der nahen Autobahn viele Blaulichter flackern und liefen dorthin. Was Irina in dieser Zeit alleine gemacht hatte, ist unklar. Hinweise auf eine Straftat hat die Polizei nicht. Den Fahrer des Mercedes-Transporters trifft nach Polizeiangaben keine Schuld. Er hatte keinen Alkohol getrunken, sein Fahrzeug war in technisch einwandfreiem Zustand. Ein hinter dem Moldawier fahrender Sattelschlepper konnte mit einer Notbremsung gerade noch einen Auffahrunfall vermeiden, das schwere Fahrzeug kam quer auf der Fahrbahn zum Stehen.

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