Berlin : Auf eigene Kosten zurück zu den Wurzeln Gut informiert: Deutsche Honorarkonsuln

aus den USA besuchten Berlin

Elisabeth Binder

Ausgerechnet heute hat er seine Videokamera nicht dabei. Dabei hätte Bernard Buecker, Jurist aus Texas, im Stasigefängnis in Hohenschönhausen so gern die finsteren Reste der kommunistischen Herrschaft aufgenommen. Er ist einer von 21 Amerikanern, die in verschiedenen Bundesstaaten ehrenamtlich für Deutschland als Honorarkonsuln tätig sind. Eine Woche lang reist die Gruppe durch Deutschland, heute geht es um „Entwicklungen in den ehemaligen Ost-Berliner Stadtbezirken“. Hans-Eberhard Zahn, eremitierter Psychologie-Professor, hat in der 50er Jahren selber sieben Jahre dort gesessen und führt nun seine Zelle vor. Er erklärt, wie man Isolationshaft übersteht, und erzählt, nach seinem damaligen Familienstand befragt, wie die Verlobte bis fast zum Schluss auf ihn gewartet und sich wenige Monate vor der Entlassung selbst getötet habe. Im Laufe des Tages kommen die Konsuln immer wieder darauf zu sprechen: „Very dramatic.“

Unterdessen bemüht sich Ares Kalandides, VIP-Führer bei Partner für Berlin, die Aufmerksamkeit auf die Gegenwart zu lenken. Dort entstehe die erste Eliteschule für Wirtschaft nach dem Vorbild der Harvard Business School, deutet er auf das ehemalige Staatsratsgebäude, erwähnt, dass nur 13 Prozent der Berliner Wohneigentum besitzen und dass jeder zweite junge Türke arbeitslos ist. Die Konsuln stellen Fragen , die auf guten Informationsstand hinweisen: Gibt es ein Asbestproblem? Wie hoch sind die Mieten?

Vor etwa zehn Jahren initiierte die deutsche Botschaft in Washington die Touren, die seitdem regelmäßig stattfinden und von den ehrenamtlichen Diplomaten gern genutzt werden, um sich in Sachen Deutschland immer auf dem neuesten Stand zu halten. Die Reisekosten müssen sie selber tragen. Aber das anspruchsvolle Programm rechtfertigt in ihren Augen die Ausgabe. Sie sind schon im Kanzleramt empfangen worden, der Chef des Bundespräsidialamts hat sie begrüßt, im Auswärtigen Amt gab es einen Vortrag. „Es ist auch schön, wenn mal jemand Dankeschön sagt für die Arbeit, die wir machen“, sagt Lansing G. Hecker aus St. Louis, Missouri. Seine Vorfahren sind 1848 aus Baden-Württemberg in die USA ausgewandert. Dieser familiäre Hintergrund war für den Werbe-Experten ein Motiv für das Engagement als Honorarkonsul. Auch der Dienstälteste in der Gruppe, Bernd C. Guetschow, hat deutsche Wurzeln. Der Honorarkonsul in Alaska ist in Hamburg geboren und aufgewachsen, lebt seit 40 Jahren in den USA. Seit 23 Jahren ist der Jurist für die alte Heimat im Einsatz. Zum einen wirbt er für die deutsche Wirtschaft, hilft Geschäftsverbindungen zu knüpfen. Zum anderen kümmert er sich um ältere Menschen, die deutsche Pensionen beziehen und einmal im Jahr beweisen müssen, dass sie noch leben, indem sie ihn persönlich besuchen. Und natürlich ist er Ansprechpartner für alle deutschen Touristen, die in Alaska in Schwierigkeiten geraten. 20000 Deutsche besuchen jährlich den nördlichsten Bundesstaat der USA, da kann schon einiges passieren. Natürlich gibt es auch erfreulichere Seiten. Als die Flugzeuge von Deutschland in den Fernen Osten noch in Alaska zwischenlanden mussten, begrüßte der Honorarkonsul den jeweiligen Bundeskanzler am Flughafen.

Mittags geht es raus nach Buch in den Biotechnologiepark. Nach dem Lunch und einem kurzen Vortrag von Walter Rosenthal, dem Direktor des Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie, steht ein Besuch im gläsernen Labor auf dem Programm. Auf der Rückfahrt in die Stadt kommt die aktuelle Politik zur Sprache, auch über deren Entwicklungen sind Deutschlands ehrenamtliche Vertreter in den USA bestens informiert. Lansing Hecker hat sich durch den Anblick Berlins inspirieren lassen: „Das ist so eine kreative Stadt“, findet er. „In ein paar Jahren wird das hier eine richtige Boom-Town sein.“

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