Berlin : Aufatmen bei der Polizei: Putin blieb im Hotel

Präsidentenpaar verzichtete vor dem Abflug auf Besuchstour

Tanja Buntrock

Da hat die Polizei ganz umsonst Blut und Wasser geschwitzt. Ihre Schützlinge, der russische Staatspräsident Wladimir Putin und seine Frau Ludmila, haben am Montag in den freien Stunden bis zum Abflug um 12 Uhr keine Extratouren unternommen. Damit wurde der durch die Handwerker-Demonstrationen schon beeinträchtigte Verkehr nicht noch zusätzlich belastet.

Dem Auswärtigen sowie dem Bundespresseamt lag für den gestrigen Vormittag kein „offizieller Programmpunkt“ des Präsidenten vor. Dennoch vermutete die Polizei, dass Putin oder seine Frau die Stunden vor dem Abflug vielleicht für eine Einkaufstour oder sonstige Unternehmungen in der Stadt nutzen könnten. „Nein, nichts dergleichen ist uns bekannt“, sagte ein Sprecher der russischen Botschaft. Der Präsident habe das Hotel bis zur Fahrt zum Flughafen nicht verlassen, sondern „sich einfach mal erholt und nichts Besonderes unternommen“. Bereits gegen 11.15 Uhr setzte sich der Konvoi dann Richtung Flughafen Tegel in Bewegung, wo Putin dann um 12 Uhr nach Paris weiter flog.

Am Sonntag, nach der Ankunft, besuchte das Ehepaar Putin zunächst den feierlichen Auftakt der Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Dort waren auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundespräsident Johannes Rau anwesend. Die Frau des russischen Staatsoberhauptes besuchte danach mit Christina Rau das Pergamonmuseum und den Fernsehturm am Alexanderplatz. Für Putin standen derweil politische Gespräche in seiner Unterkunft, dem Hotel Intercontinental, auf dem Programm.

Hinterher wurde es noch einmal hochoffiziell: Wladimir und Ludmila Putin fuhren gegen 19 Uhr zum privaten Wohnsitz des Bundespräsidenten in die Dahlemer Miquelstraße. Dort erwarteten sie Johannes und Christina Rau sowie Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Frau Doris zu einem Abendessen. Sie speisten Zanderfilet auf Apfelsellerie-Sauce, Wachtelessenz und als Hauptgericht gefüllten Ochsenschwanz mit Wurzelgemüse. Zum Dessert gab’s Honig-Mohn-Eis.

„Die Atmosphäre war freundschaftlich, so viel kann man verraten“, sagte Klaus Schrotthofer, der Sprecher des Bundespräsidenten. „Über alles, was derzeit aktuell ist“, hätten sich die Damen und Herren unterhalten. Die private Einladung des Bundespräsidenten sei als eine Art „Gegenbesuch“ zu verstehen. Im September 2002 waren Johannes und Christina Rau privat zu Gast beim Ehepaar Putin. Der Bundespräsident habe danach von einem wunderschönen gemeinsamen Abend geschwärmt.

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