Berlin : Aufgetaucht aus der Vergangenheit

Im Gropiusbau sind bald versunkene Schätze aus Ägypten zu sehen Die ersten spektakulären Ausstellungsstücke kamen gestern in Schönefeld an

Stefan Jacobs

Gestern Nachmittag waren die stärksten Worte gerade recht. „Die größten Errungenschaften der Zivilisation vor 2000 Jahren werden mit der größten technischen Errungenschaft von heute transportiert“, sagt der aus Frankreich angereiste Airbus-Transportchef Bruno Gutierres, während am Himmel über dem Flughafen Schönefeld ein Punkt auftaucht. Und wächst und wächst, bis er als „Beluga“ zu erkennen ist: die Transportmaschine mit dem größten Frachtraum überhaupt. Dessen Inhalt wiederum veranlasst den ebenfalls anwesenden Direktor des Martin-Gropius-Baus, Gereon Sievernich, zu starken Worten: „Die Ausstellung wird ganz sensationell. Man kann ja nicht mehr viele Abenteuer erleben, aber das ist wirklich eins.“

Als sich das Riesenmaul über dem Cockpit öffnet, sind nur ein paar Holzkisten zu sehen. Stapler und Kran holen sie ans Licht. Als Absender steht auf Zetteln: „Alexandria, Great Library“. Das klingt so märchenhaft wie die Geschichte der Exponate, die als Weltpremiere bald in Berlin gezeigt werden. Über fünf Meter hohe Statuen von Göttern und Herrschern. Ein Granitkopf, der Caesarion, den Sohn von Julius Caesar und Kleopatra VII., darstellt. Teile des Naos der Dekaden, des ältesten astrologischen Kalenders, den die Menschheit kennt. Sphingen, byzantinischer Goldschmuck. 1500 Jahre ägyptische Geschichte, von 700 vor bis 800 nach Christus. Man glaubte die Schätze verloren, bis der französische Unterwasser-Archäologe Franck Goddio sie zwischen 1996 und 2001 im Schlamm vor der ägyptischen Küste entdeckte. Vor mehr als 1000 Jahren waren sie nach Naturkatastrophen im Mittelmeer versunken: sagenumwobene Orte wie der antike Hafen von Alexandria, dessen um 290 vor Christus errichteter Leuchtturm zu den sieben Weltwundern zählt. Goddio entdeckte auch Teile des Königsviertels von Alexandria und die antiken Städte Kanopus und Heraklion. Die eine nennt Sievernich „eine Art Las Vegas der Antike“. Die andere war fast 1000 Jahre lang Ägyptens bedeutendster Hafen. Für Experten symbolisieren die Funde die Wurzeln der abendländischen Kultur.

Nur die sperrigsten der rund 500 Exponate hat Sponsor Airbus mit dem „Beluga“ eingeflogen. Eine Kiste wird auf dem Rollfeld geöffnet: der kleine Caesar, am Hals ein Polster aus Styropor, über der Stirn eine hölzerne Transportsicherung. Er betrachtet das Getümmel mit der Würde eines 2000 Jahre alten Kindes.

13. Mai bis 4. September im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße, Mo, Mi, So, 10 bis 20 Uhr, Do, Fr, Sa 10 bis 21 Uhr, Di geschlossen. Infos unter www.aegyptens-versunkene-schaetze.org und unter www.gropiusbau.de.

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