Berlin : Aufnahme verweigert

UN schickt abgeschobene Familien nach Berlin zurück

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Auf eine offenbar vermeidbare Odyssee quer durch Europa hat die Ausländerbehörde eine Flüchtlingsfamilie und eine 22-jährige Frau geschickt. Die insgesamt acht Personen wurden in der vergangenen Woche in den Kosovo abgeschoben, doch die dortige UN-Verwaltung „Unmik“ weigerte sich, sie aufzunehmen und schickte sie über Montenegro und Frankfurt am Main zurück nach Berlin.

Wie der Flüchtlingsrat mitteilte, lag der Ausländerbehörde bereits vor der Abschiebung ein Hinweis der Unmik vor, dass eine Aufnahme der Betroffenen aus humanitären Gründen nicht in Frage komme. Die Behörde habe aber auf die Abschiebung bestanden. In der Ausländerbehörde wurde auf die Innenverwaltung verwiesen, dort hieß es, es lägen keine entsprechenden Akten vor.

Die Familie S. lebt seit zwölf Jahren in Berlin, ihre sechs Kinder sind in Deutschland geboren oder aufgewachsen. Die Mutter hat ein Gutachten von einer behördlich anerkannten Psychologin, das ihr eine schwere Traumatisierung attestiert. Dies ist Grund genug für die Unmik, die Aufnahme der Frau abzulehnen, denn im Kosovo gebe es für diese Fälle keine Behandlungsmöglichkeiten. Diese Einschätzung vertritt laut Flüchtlingsrat auch das Bundesamt für die Anerkennung von Flüchtlingen (Bafl) in Nürnberg. Trotzdem wurde die Familie am 15. März morgens um sechs Uhr von der Polizei aus der Wohnung geholt und ins Abschiebegefängnis nach Grünau gebracht, von wo aus sie am nächsten Tag mit dem Polizeibus nach Düsseldorf gebracht wurde. Mit im Bus saß auch die 22-jährige Antigona I., deren Mutter und Bruder bereits eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland haben. Wie das Behandlungszentrum für Folteropfer mitteilt, ist die Anwesenheit von Antigona I. für die Betreuung ihrer Eltern zwingend notwendig.

Der Flüchtlingsrat fordert Innensenator Ehrhart Körting (SPD) erneut auf, die Ausländerbehörde anzuweisen, psychologische Gutachten anerkannter Experten zu respektieren und auf Abschiebungen zu verzichten. Auch sei die nach wie vor festzustellende Inhaftierung von Kindern „mehr als fragwürdig“.

Zuletzt waren am Sonntag vier Roma-Kinder und ihre allein erziehende Mutter in Polizeigewahrsam genommen worden, bevor sie am Abend nach Serbien abgeschoben wurden. Laut Pastor Michael Rallenberg, der sich um die Familie gekümmert hat, hatte die Frau ihre freiwillige Ausreise bereits geplant.

Der „Südosteuropa Kultur Verein“ berichtet über eine gescheiterte Abschiebung: Der 32-jährige Roma Zarko Barbul aus Serbien sollte als Einziger aus seiner Familie abgeschoben werden. Als die Polizei ihn aus seiner Wohnung abholen wollte, flüchtete er auf das Fensterbrett, von dem er abstürzte. Seitdem liegt Barbul im Krankenhaus. ari/dma/mj

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